Konjunktur EZB erhöht Leitzins auf 4,0 Prozent
Frankfurt am Main - Volkswirte hatten die Entscheidung erwartet, nachdem EZB- Präsident Jean-Claude Trichet die Märkte bereits im Mai auf die Zinserhöhung eingestimmt hatte. Grund für die Zinsanhebung ist vor allem der unerwartet kräftige Wirtschaftsaufschwung, der nach Überzeugung der Währungshüter auch noch weiter anhalten wird. Trichet wird auf der für heute Nachmittag anberaumten Pressekonferenz voraussichtlich die Prognose anheben.
Bislang rechnet die EZB mit einem Wachstum von 2,5 Prozent für die Wirtschaft in den Euro- Ländern. Auch die Inflation dürfte bald wieder die kritische Zwei- Prozent-Marke überschreiten. In den anziehenden Ölpreisen sowie den Lohnsteigerungen sehen die Währungshüter Risiken für die Inflation. Die Teuerungsrate im Euro-Raum lag im April bei 1,9 Prozent. Damit bewegt sie sich knapp unter der Zwei-Prozent-Marke, bei der die EZB die Preisstabilität gewahrt sieht.
Verbraucher profitieren von steigenden Leitzinsen durch eine steigende Verzinsung von Sparguthaben. Allerdings erfolgt das zumeist mit einer deutlichen Verzögerung. Darlehen und Kredite werden für Verbraucher dagegen teurer, und das meistens ohne zeitliche Verzögerung.
Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, zeigte Verständnis für die Anhebung. Von ihr gehe entgegen mancher Befürchtung "keine Gefährdung des Aufschwungs aus", sagte der Chef der Wirtschaftsweisen der "Westdeutschen Zeitung".
"Zur Zeit haben wir im Euro-Raum kein akutes Inflationsproblem", fügte Rürup hinzu. Gefährlich würden weitere Zinserhöhungen erst dann sein, "wenn die USA in einer Rezession abgleiten und der Euro massiv aufwerten würde. Diese Gefahr schätze er allerdings als recht gering ein.
Am Nachmittag wird Trichet die Gründe für die Entscheidung erläutern und Hinweise auf den künftigen Kurs der Geldpolitik geben. Die Mehrheit der Volkswirte rechnet mit weiteren Zinsschritten im September und Dezember auf dann 4,5 Prozent.
mik/dpa/ddp