Konjunktur Greenspan bremst die Börsianer
Washington - Beobachter leiteten ihre Bedenken aus der Tatsache ab, dass Greenspan die optimistischen Formulierungen, die er in seiner Rede vom 7. März vor dem US-Senat verwendet hatte, diesmal gegenüber den zugeschalteten Banken vermieden hatte. Analysten beklagten, die Äußerungen von Greenspan seien weniger optimistisch ausgefallen als erwartet. Vor allem die Bemerkung, dass er nur eine schrittweise Erholung der Investitionen sehe, habe die Finanzmärkte belastet. Immerhin, so die Erwartung, lasse die Rede den Schluss zu, dass keine Veränderungen in der Zinspolitik der Notenbank zu erwarten seien.
Gleichwohl blieb Greenspan grundsätzlich bei seiner Zuversicht. "Wir sehen vermehrt Anzeichen, dass die Einflüsse, die die wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahr beschränkt haben, abnehmen und sich die US-Wirtschaft zu stabilisieren beginnt".
Der US-Notenbank-Chef konzentrierte sich vor allem auf die langfristigen Risiken für die US-Wirtschaft. Er verwies auf die demografischen Herausforderungen, die auf Grund der Überalterung der US-Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten seien. Daraus erwachse die Verpflichtung, bereits jetzt die Grundlagen für hohe Produktivitätszuwächse zu bereiten.
Als weiteres Risiko identifizierte Greenspan das wachsende Leistungsbilanzdefizit der USA. "Länder, die hohe Passivsalden in der Leistungsbilanz anhäufen, geraten unweigerlich in Schwierigkeiten", mahnte der Fed-Präsident. Daher sollte das Defizit begrenzt werden, wobei eine Erhöhung der nationalen Sparneigung rückläufigen Investitionen vorzuziehen sei.
Der Dow-Jones verlor nach der Veröffentlichung der Rede 1,2 Prozent auf 10.501. Der Nasdaq-Composite sank um 1,8 Prozent auf 1862.