Konjunktur Ifo-Index überraschend gestiegen
München - Der Index hatte im Juni mit 106,8 Punkten den höchsten Stand seit gut 15 Jahren erreicht und befand sich seitdem wieder in einem Abwärtstrend.
Im Oktober bewerteten die befragten 7000 Unternehmen zum ersten Mal seit drei Monaten ihre Aussichten für das kommende halbe Jahr wieder günstiger. Ihre aktuelle Lage sahen sie ebenfalls erneut etwas positiver. "Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass sich der Konjunkturaufschwung trotz der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung im nächsten Jahr fortsetzen wird", erklärte Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts.
Auch die Perspektiven auf Sicht von sechs Monaten beurteilten die befragten Unternehmen positiver als im Vormonat. Der Erwartungsindex stieg im Oktober überraschend um 0,3 auf 99,2 Punkte. Experten hatten hingegen mit einem Rückgang auf 97,9 Punkte gerechnet. Auch der Index für die Lagebeurteilung legte überraschend auf 111,8 Punkte von 111,3 Zählern im Vormonat zu. Hier hatten die befragten Experten einen etwas geringeren Anstieg auf nur 111,5 Punkte erwartet.
Die Möglichkeiten im Auslandsgeschäft schätzten die befragten Unternehmen günstiger ein. Im Bauhauptgewerbe habe sich das Geschäftsklima minimal verbessert, wobei die Bauunternehmen ihre momentane Situation geringfügig positiver und die Zukunftsaussichten ähnlich wie im Vormonat bewerteten.
Die Antworten der Großhändler seien dagegen deutlich positiver ausgefallen. Sowohl Lageeinschätzung als auch Erwartungen hätten sich verbessert. Von einer günstigeren aktuellen Geschäftslage hätten auch die Einzelhändler berichtet.
Die Geschäftsaussichten beurteilten sie allerdings pessimistischer, weshalb sich der Geschäftsklima-Index bezogen auf den Einzelhandel insgesamt verschlechtert habe.
Das gleiche gelte für das Dienstleistungsgewerbe Deutschlands. Zwar seien die befragten Unternehmen etwas zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage gewesen, ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate hätten sie aber weniger zuversichtlich als bisher eingestuft.
Volkswirte und Analysten zeigten sich überrascht von der Entwicklung. "Ich bin von einem Rückgang ausgegangen bei den Erwartungen", sagte Citigroup-Analyst Jürgen Michels. Der Anstieg der Erwartungen sei die eigentliche Überraschung. Grund für den Optimismus der Unternehmen sei wahrscheinlich das Export-Geschäft und die Nachfrage nach Investitionsgütern. "Ich glaube, dass wir nach einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten im ersten Quartal 2007 eine Beschleunigung im Verlauf des Jahres sehen werden."
Geradezu euphorisch reagierte Heinrich Bayer von der Postbank: "Das ist ein Kracher. Der Anstieg des Gesamtindexes nach drei vorherigen Rückgängen ist ein starkes Zeichen, dass die Unternehmen von einer nachhaltigen Dämpfung der Konjunktur fast nichts spüren. Vor allem weist darauf die vollkommen überraschende Zunahme der Erwartungen darauf hin."
Eher selbstkritisch reagierte dagegen Dirk Schumacher von Goldman Sachs: "Mal wieder eine Überraschung, man fühlt sich langsam als Analyst etwas dumm. Die gute Nachricht ist, dass sich die Einschätzung der Lage verbessert hat. Das zeigt, wir hatten ein starkes drittes Quartal, und die Konjunktur hat im vierten Quartal ihr Momentum behalten. Die Unternehmen glauben, dass die Mehrwertsteuererhöhung zwar wehtut, aber nicht so schlimm ist."
mik/dpa-AFX/Reuters