Konjunktur-Indikator: Stimmung ist überraschend trübe - DER SPIEGEL
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Konjunktur-Indikator Stimmung ist überraschend trübe

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Juli stark eingetrübt. Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung sank auf den niedrigsten Stand seit Mai 2005.
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Mannheim - Die Finanzmarktexperten beurteilen die Aussichten der deutschen Konjunktur einer Umfrage zufolge mit überraschend großer Skepsis. Der Saldo der Konjunkturerwartungen der rund 300 monatlich befragten Analysten und institutionellen Anleger sank im Juli unerwartet stark auf 15,1 von 37,8 Punkten, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) heute mitteilte.

Der Index erreichte den niedrigsten Stand seit Mai 2005 und fiel erstmals seit etwa einem Jahr unter seinen historischen Mittelwert von 35,2 Zählern. "Die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland ist derzeit erheblichen Risiken ausgesetzt", erklärte das ZEW. Vor allem der rapide steigende Ölpreis belaste. Auch der Export werde in den kommenden Monaten durch ein schwächeres US-Wachstum und einen starken Euro gedämpft.

Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Rückgang des ZEW-Indikators auf 35,0 Punkte gerechnet. Die aktuelle Lage beurteilten die Experten dagegen deutlich besser als im Vormonat: Der Indikator stieg auf 23,3 von 11,9 Zählern.

HWWA erwartet gute Aussichten

Gute Aussichten für einen fortgesetzten Aufschwung in Deutschland in diesem Jahr sieht das Hamburger Wirtschaftsforschungsinstitut HWWA. Dementsprechend haben die Ökonomen ihre Prognose für die Entwicklung der deutschen Konjunktur in diesem Jahr leicht von 1,5 auf 1,6 Prozent erhöht. Für 2007 erwarten sie jetzt ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,0 Prozent nach zuvor 0,75 Prozent.

Die Festigung der Binnennachfrage biete die Chance, dass der Aufschwung künftig nicht mehr in dem Maße wie bisher von externen Impulsen abhänge, sondern eine größere Eigendynamik entwickle, schreiben die Forscher in ihrem Konjunkturbericht. Sie erwarten eine Steigerung der Inlandsnachfrage in diesem Jahr um 1,3 Prozent und im nächsten um 0,1 Prozent. Die Jahresteuerung beträgt der Prognose zufolge im laufende Jahr 1,7 Prozent und im kommenden Jahr 2,4 Prozent. Die Arbeitslosenzahl sinkt danach 2006 auf 4,55 Millionen und 2007 auf 4,35 Millionen.

Erhebliche Bremseffekte durch Regierung

Der Konjunkturverlauf sei von der Finanzpolitik geprägt, konstatiert das Institut. Auch wenn sich die Konjunktur inzwischen deutlich gefestigt habe, führe die Steuerpolitik der Bundesregierung mittelfristig zu erheblichen Bremseffekten. Nach Vorzieheffekten im laufenden Jahr werde die Konjunktur im kommenden Jahr erheblich an Fahrt verlieren, schreibt das HWWA. Als Folge der restriktiven Finanzpolitik werde der gerade in Gang gekommene Aufholprozess der Binnennachfrage erheblich verlangsamt.

Die Prognose geht davon aus, dass der jüngste Höhenflug des Ölpreises nicht von Dauer ist und dass er sich im kommenden Jahr wieder bei etwa 65 Dollar bewegen wird. Sollte sich der Ölpreis aufgrund geopolitischer Spannungen bei über 75 Dollar halten oder noch weiter steigen, würde die konjunkturelle Entwicklung ungünstiger verlaufen als prognostiziert, betonen die Experten. Das gelte umso mehr, wenn die Energieverteuerung zu einer allgemeinen Beschleunigung des Preisanstiegs führen würde und die Zentralbanken als Reaktion darauf die geldpolitischen Zügel stärker als angenommen anziehen würden. Das HWWA geht davon aus, dass "schon bald mit einer weiteren Anhebung des maßgeblichen Leitzinses auf drei Prozent zu rechnen" sei.

tim/Reuters/dpa/ddp