Konjunktur Industrieaufschwung verliert an Kraft
Berlin - Der Einkaufsmanagerindex (EMI) der deutschen Industrie fiel im März auf 56,9 von 57,2 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr, wie das britische Forschungsinstitut NTC heute mitteilte. Es ist der dritte Rückgang in Folge. Der EMI für die gesamte Euro-Zone gab um 0,2 auf 55,4 Zähler nach.
Volkswirte sehen aber keinen Grund zur Panik: "Die deutsche Industrie kühlt ein wenig ab, aber wir sind immer noch auf sehr hohem Niveau", sagt der Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland (RBS), Jacques Cailloux. Die 400 befragten Unternehmen stellten erneut deutlich mehr her als im Vormonat. Der Produktionsindex notierte bei 59,1 Zählern nach 60,5 im Februar. Damit verzeichnet Deutschland vor Spanien das stärkste Produktionsplus. Der Teilindex für die Euro-Zone gab um 0,6 auf 57,4 Punkte nach.
Kein Grund zur Besorgnis
Der Rückgang des deutschen EMI sei nur zum Teil auf die schwächere Nachfrage zurückzuführen, sagt NTC-Chefvolkswirt Chris Williamson. Die Hälfte des Rückgangs sei durch Kapazitätsengpässe bedingt: "Deutschland kann derzeit nicht genug tun, um die Nachfrage zu befriedigen." Die Kapazitätsschwierigkeiten hätten auch die Verkaufspreise nach oben getrieben. Der Preisindex erreichte mit 56,7 Zählern den zweithöchsten Stand seit der ersten Erhebung dieser Daten im September 2002.
Bei dem Konjunkturbarometer deuten Werte über 50 auf ein Wachstum in der Branche hin, Werte darunter zeigen ein Schrumpfen an. Grund zur Besorgnis gibt es wegen des leichten Rückgangs laut NTC nicht: "Dank weiterer Zuwächse bei Produktion, Auftragseingang und Beschäftigung ist die deutsche Industrie im März erneut kräftig gewachsen", hieß es. Die Industrie weitet seit mehr als anderthalb Jahren ihre Geschäfte aus.
Unternehmen stellen weiter ein
Wegen Kapazitätserweiterungen und zunehmender Auftragspolster stellten die Firmen weiter neue Mitarbeiter ein. Das Job-Barometer zeigte mit 53,6 nach 53,9 Punkten nur eine leichte Verlangsamung des Beschäftigungsaufbaus an. In der Euro-Zone setzte sich der Beschäftigungsaufbau mit gleicher Geschwindigkeit fort.
sam/Reuters