Konjunktur Ölpreis-Schock bedroht den Aufschwung
New York - "Das Risiko ist da, dass die leichte Konjunkturbelebung wieder erstickt wird", sagte IfW-Ölexperte Klaus-Jürgen Gern.
In London legte der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September bis auf 41,39 US-Dollar zu. Zuletzt lag die Notierung mit 41,30 Dollar noch um 18 Cent über dem Stand des Vortages. Seit Ende Juni ist der Ölpreis damit um mehr als acht Dollar in die Höhe geschnellt.
Auch die amerikanischen Ölpreise kletterten weiter in Richtung der Marke von 45 Dollar je Barrel. Zeitweise erreichte Öl zur Auslieferung im September in New York im elektronischen Handel am Warenterminmarkt Nymex den Rekordstand von 44,77 Dollar. Auch nach einem leichten Rückgang war der Barrel später mit 44,60 Dollar noch um 0,47 Prozent teurer als am Vortag.
Lieferengpass möglich
Die Blockierung von Bankkonten des größten russischen Ölexporteurs Jukos durch die russische Justiz und ein Brand in einer BP-Raffinerie am Donnerstag in Texas hatten Befürchtungen über mögliche Versorgungsengpässe im Ölmarkt verstärkt. Experten halten einen weiteren Anstieg der Ölpreise für möglich. Sie verwiesen vor allem auf die Lage bei Jukos. Die angespannte Versorgungslage im Ölmarkt könnte auch durch neue Terroranschläge auf die Ölinfrastruktur im Irak oder in anderen Ländern des Nahen Ostens sowie durch neue Probleme in Nigeria und Venezuela verschärft werden.
Der ungebremste Höhenflug des Ölpreises lässt nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) eine weitere Wachstumsbeschleunigung in Deutschland im kommenden Jahr zunehmend zweifelhaft erscheinen. Die leichte Belebung der Konjunktur in Deutschland werde ausschließlich vom Export getragen, sagte IfW-Experte Gern. Die internen Auftriebskräfte blieben hingegen weiter schwach.
Das sei eine "ungünstige Gemengelage" bei der die Entwicklung besonders anfällig bleibe. Der hohe Ölpreis wirke gleich doppelt negativ. So werde die ohnehin schwächelnde Binnennachfrage weiter gedämpft und auch die Nachfrage aus dem Ausland dürfte sich zunehmend abschwächen. Bereits jetzt zeichne sich in den Wachstumszentren der Welt, China und USA, eine geringere Dynamik ab, sagte IfW-Experte Gern.