Konjunktur-Pessimismus Ifo senkt Wachstumsprognose
Düsseldorf/Mainz - Ursprünglich war das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung von 2,4 Prozent Wachstum ausgegangen - jetzt wird die Prognose vermutlich auf etwa zwei Prozent korrigiert, kündigt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in der "Wirtschaftswoche" an.
Grund sei der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorquartal. Für 2009 rechne das Institut nur noch mit einem Wachstum von einem Prozent.
Den Job-Markt hält der Ifo-Präsident allerdings für stabil. Noch immer würden mehr offene Stellen gemeldet als zum Höhepunkt des vergangenen Konjunkturzyklus. Seiner Einschätzung nach hat sich der Arbeitsmarkt vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt.
Den Grund dafür sieht Sinn in der Agenda 2010. Der Ifo-Chef appellierte an die Wirtschaftspolitik, Kurs zu halten. Solange Deutschland die Agenda nicht "rückabwickle", müsse es auch nicht befürchten, dass sich "Horrorzahlen" mit 4,9 Millionen Arbeitslosen wiederholten. Sinn warnte allerdings vor der "reformmüden Großen Koalition". Bei ihr und nicht in der Konjunktur lägen aktuell die wahren wirtschaftlichen Gefahren für Deutschland.
Rezessionsangst im Volk wächst
Trotz positiver Prognosen auf dem Jobmarkt - in der Bevölkerung wächst laut ZDF-Politbarometer die Rezessionsangst. Derzeit glauben demnach 45 Prozent der Befragten, dass es mit der Wirtschaft abwärts geht. Laut ZDF ist das ein so großer Anteil wie seit fünf Jahren nicht mehr. Lediglich noch 14 Prozent sähen die deutsche Wirtschaft im Aufschwung.
Im Juni hatten Optimisten und Pessimisten im Politbarometer noch gleichauf gelegen. Jeweils 26 Prozent sagten damals, dass es mit der Wirtschaft ab- beziehungsweise aufwärts gehen werde.
Skeptisch sind die Bürger auch gegenüber den Parteien: Mit 49 Prozent sah nur knapp die Hälfte der Befragten bei überhaupt irgendeiner Partei eine Wirtschaftskompetenz. Am ehesten vermuteten die Deutschen diese bei der Union (33 Prozent), bei der SPD sehen sie lediglich neun Prozent.
Die repräsentative Umfrage zum Politbarometer führte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durch. Die Interviews wurden in der Zeit vom 12. bis 14. August bei 1263 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben.
Bundesregierung könnte Wachstumsprognose korrigieren
Auch in der Bundesregierung wächst der Konjunkturpessimismus: Das Wirtschaftsministerium kündigte an, sie werde ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr wegen der nachlassenden Wirtschaftsdynamik möglicherweise nach unten korrigieren. "Die Regierungsprognose von 1,2 Prozent werden wir Mitte Oktober anhand der dann verfügbaren Daten überprüfen", sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dem "Handelsblatt". Die konjunkturellen Risiken für 2009 hätten "deutlich zugenommen".
Auch der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) rechnet mit einem geringeren Wachstum. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die deutschen Wirtschaft 2009 um weniger als ein Prozent zulegen wird", sagte BGA-Präsident Anton Börner der Zeitung.
Das Statistische Bundesamt hatte gestern bekannt gegeben, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal zum ersten mal seit vier Jahren wieder geschrumpft ist. Demnach war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 0,5 Prozent niedriger als in den ersten drei Monaten des Jahres. Die Bundesregierung hatte angesichts der Konjunkturdaten an ihrer Wachstumsprognose von 1,7 Prozent für 2008 festgehalten.
ssu/AP/AFP/dpa/ddp