Konjunktur Top-Ökonomen warnen vor Scheitern der Reformen
Hamburg - Vor der entscheidenden Verhandlungsrunde über die Wirtschaftsreformen im Vermittlungsausschuss warnten die deutschen Top-Ökonomen deshalb noch einmal eindringlich vor einem Scheitern der Gespräche. "Für die Finanzmärkte wäre das eine Katastrophe", sagte Martin Hüfner, Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, gegenüber der "Financial Times Deutschland". Auch andere Teile der Wirtschaft würden unter Druck geraten und starken Schaden nehmen. "Ein Scheitern wäre fatal und könnte das Wachstum 2004 um bis zu einem Prozentpunkt reduzieren," sagte Klaus Zimmermann, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Sollte ein Kompromiss ausbleiben, würde dies laut Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, die Erholung der Konjunktur bremsen. Allein der Wegfall der Entlastungsimpulse aus der Steuerreform mindere das Wachstum 2004 um etwa 0,3 Prozentpunkte. Die dämpfende Wirkung insgesamt wäre aber noch größer, weil das Vertrauen von Investoren und Konsumenten gestört würde.
Nach Berechnung des Essener RWI-Instituts würde ein Nicht-Vorziehen der Steuerreform allein 2004 etwa 40.000 Arbeitsplätze kosten. Einen "nennenswerten Dämpfer für die Wirtschaft" befürchtet auch Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er fügte hinzu: "Die Zuversicht in die Reformfähigkeit der Republik wäre dahin." Dies koste auch langfristig Wachstum.