Konjunktur: Wirtschaftsforscher halbieren Wachstumsprognose - DER SPIEGEL
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Konjunktur Wirtschaftsforscher halbieren Wachstumsprognose

Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr mehr als halbiert und rechnen jetzt mit deutlich mehr Arbeitslosen. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement wertet das Gutachten nicht als Niederlage. Er sieht sich in der Notwendigkeit seines Reformkurses bestätigt.
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Berlin - "Das Gutachten zeigt, dass die Erholung allmählich an Breite gewinnt und damit mehr Eigendynamik entfalten kann", erklärte Clement heute. Die Institute bestätigten seine Einschätzung, "dass die Wachstumsdelle im zweiten Halbjahr 2004 nach und nach im Verlauf dieses Jahres überwunden und sich die konjunkturelle Belebung im nächsten Jahr weiter verstärken wird". Zudem bestehe Übereinstimmung, dass der Reformprozess fortgesetzt werden müsse. "Die beim Job-Gipfel vereinbarten Maßnahmen müssen deshalb umgehend und vollständig umgesetzt werden."

In ihrem Gutachten veranschlagen die sechs führenden Institute ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 0,7 Prozent. Im Herbst hatten sie noch 1,5 Prozent vorausgesagt. 2006 rechnen die Forscher mit einem Anziehen der Wachstumsrate auf 1,5 Prozent. Das europäische Defizitkriterium beim Staatshaushalt werde Deutschland sowohl im laufenden Jahr mit 3,4 Prozent als auch 2006 mit 3,3 Prozent übertreffen. Deutschland würde damit fünf Jahre in Folge über der 3-Prozent-Marke bleiben.

Bei der Arbeitslosenzahl rechnen die Institute mit einer Durchschnittszahl von 4,84 Millionen im laufenden Jahr. 2006 sollte die Zahl dann ihrer Einschätzung nach fühlbar auf 4,52 Millionen sinken.

"Offenbar leidet Deutschland unter einer fundamentalen Schwäche", heißt es in dem Gutachten. Die jüngsten Umfragedaten deuteten darauf hin, dass die deutsche Konjunktur noch nicht wieder Tritt gefasst habe. Erst im Laufe des Jahres 2005 dürfte die Schwächephase überwunden werden. Angesichts eines schwachen Trendwachstums von gut einem Prozent - nur die Hälfte des EU-Wertes von gut zwei Prozent - gebe es Reformbedarf zur Behebung der Wachstumsprobleme auf vielen Ebenen.

"Wenn auch manches in den vergangenen Jahren in Gang gesetzt worden ist, ein geschlossenes Konzept, die Wachstumsmisere zu überwinden, ist nicht erkennbar", kritisierten die Institute. Um die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen bereinigt sehen sie das Wachstum in diesem Jahr bei 0,9 Prozent und im nächsten Jahr bei 1,7 Prozent.

Mit der Wachstumsprognose in ihrem Gemeinschaftsgutachten liegen die Institute am unteren Rande ihrer Einzelschätzungen und auch noch niedriger als der Internationale Währungsfonds und die EU-Kommission. Die Bundesregierung hält noch an ihrer Wachstumsschätzung von 1,6 Prozent in diesem Jahr fest. Sie wird aber am Freitag ihre Prognose aktualisieren, wobei nach Angaben aus Regierungskreisen alles auf einen neuen Schätzwert von rund einem Prozent hindeutet.

Für 2006 dürfte die Regierung nach Informationen der "Financial Times Deutschland" das Wachstum auf 1,5 bis 1,75 Prozent veranschlagen. 2004 war die deutsche Wirtschaft um 1,6 Prozent gewachsen, wobei das Wachstum im zweiten Halbjahr jedoch seine Dynamik verloren hatte.