Konjunktur zu anfällig EZB lässt Leitzins unverändert
Frankfurt am Main/London - Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,0 Prozent, teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Frankfurt mit. Die Zentralbank begründete die Entscheidung zunächst nicht und verwies auf die Pressekonferenz mit EZB-Chef Jean-Claude Trichet.
Die meisten EZB-Beobachter rechnen auch mindestens bis zur Jahresmitte mit unveränderten Leitzinsen. Die Notenbank werde wachsenden Inflationsgefahren mit einer Zinserhöhung erst vorbeugen, wenn die Konjunktur wie erwartet in Fahrt komme. Nach dem anhaltenden starken Kursanstieg des Euro zum Jahreswechsel mehrten sich allerdings Forderungen nach einer weiteren Zinssenkung der EZB. Der stärkere Euro werde die Konjunktur belasten und die Teuerungsrate dämpfen, argumentieren Volkswirte. Zudem würde der Zinsvorteil der Euro-Zone gegenüber den USA, - dort ist der Leitzins mit einem Prozent nur halb so hoch - geringer. Euro-Anlagen würden damit an Attraktivität verlieren.
Die Beobachter an den Finanzmärkten sind nun besonders gespannt, wie sich Trichet vor den Medien zu den Auswirkungen des Euro-Anstiegs äußern wird. Analysten erwarten, dass der EZB-Chef Bedenken über das Tempo des jüngsten Kursanstiegs äußern könnte, um einer weiteren ungebremsten Euro-Aufwertung entgegenzuwirken. Bisher vermieden die Währungshüter klare Stellungnahmen zum Euro und stellten immer wieder heraus, dass der Euro nur einer von vielen Faktoren ist, der für die EZB-Zinsentscheidung in Betracht gezogen wird.
Der Euro hat sich in den vergangenen zwei Monaten allein um rund zehn Prozent zum Dollar verteuert und vor wenigen Tagen einen neuen Rekordstand von 1,2812 Dollar erreicht. Bis zum Donnerstagmittag hatte sich die Gemeinschaftswährung auf Kurse knapp unter 1,26 Dollar verbilligt.
Die Zentralbank ließ auch den Zinskorridor für den Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiterhin 1,0 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,0 Prozent für Übernachtkredite.
Unterdessen hat auch die Bank von England den britischen Leitzins am Donnerstag auf einem Niveau von 3,75 Prozent eingefroren. Nach Meinung von Wirtschaftsexperten hat die Kauffreudigkeit der Verbraucher während der Weihnachtszeit den Beschluss des Ausschusses beeinflusst. Dazu beigetragen habe auch der überraschende Rückgang der Inflationsrate für Dezember auf 1,3 Prozent. Die Regierung hatte 2,0 Prozent angepeilt.
Im vergangenen November war der Leitzins erstmals seit vier Jahren um 0,25 Prozent auf 3,75 Prozent erhöht worden. Damals hatte der Währungsausschuss der Zentralbank den Schritt unter anderem mit der Notwendigkeit begründet, den Boom bei den Verbraucherausgaben und Kreditaufnahme zu zügeln. Der Ausschuss sah sich unter anderem wegen des fortgesetzten Anstiegs der Hauspreise zum Handeln gezwungen. Der niedrige Zinssatz hatte zahllose Hausbesitzer dazu veranlasst, ihre Hypotheken neu zu beleihen.