Konjunkturangst "Der Ölpreis ist eine Sorge"
Berlin - Eichel hält angesichts der hohen Ölpreise eine Abschwächung der Weltkonjunktur für möglich. Dies wird seiner Meinung nach die Exportnation in besonderer Weise treffen. "Der Ölpreis ist eine Sorge", sagte Eichel heute nach einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Domenico Siniscalco.
Der Ölpreis setzte heute seinen Höhenflug fort und erreichte neue Höchstmarken. Eine Entspannung ist nach Einschätzung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nicht in sicht. Er werde erst sinken, wenn sich die politische Lage im Irak entspannt, sagte ZEW-Volkswirt Ulf Moslener. Eine Prognose für die Preisentwicklung der kommenden Monate wollte der Energiemarktexperte nicht abgeben.
Im Wirtschaftsministerium beurteilte man die Lage anders als der Finanzminister. "Wir sehen derzeit keine negativen Auswirkungen auf die Konjunktur", sagte Sprecherin Andrea Weinert. Auch das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft hält weiterhin an seiner Konjunkturprognose für 2004 und 2005 fest. "Was wir derzeit erleben, ist eine temporäre, psychologische Übertreibung wegen Terrorangst", sagte Institutsdirektor Michael Hüther.
"Der Gaspreis wird dem Ölpreis folgen"
Die angespannte Lage auf den Energiemärkten hat den Heizöl-Preis in Deutschland bereits in die Höhe getrieben und den Verbrauch kräftig gedrosselt. Nach Daten des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg ging der Heizöl-Absatz in den ersten sechs Monaten um 20 Prozent auf 11,9 Millionen Tonnen zurück. Der Preis für 100 Liter Heizöl ist innerhalb eines Jahres ungefähr von 34 auf 44 Euro gestiegen.
Wegen des teuren Öls müssen sich zum Jahresende auch Haushalte mit Gasheizung auf höhere Kosten einstellen. Das Preisniveau werde voraussichtlich im Herbst oder Winter steigen, teilte der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft mit. Hintergrund ist die Ölpreisbindung, die den Gaspreis dem Ölpreis im Abstand von etwa einem halben Jahr nach oben oder unten folgen lässt. Auch Strom werde teurer, sagte der Vorstandsvorsitzende von E.ON- Energie, Johannes Teyssen, der "Zeit". "Der Gaspreis wird dem Ölpreis folgen, und das wird auch den Strom teurer machen."
Der Automobilclub ADAC warf den Mineralölkonzernen vor, trotz kräftiger Gewinne die Benzinpreise hoch zu halten. "Die wissen gar nicht, wohin mit ihrem Geld", sagte ADAC-Benzin-Experte Jürgen Albrecht der "Berliner Zeitung". Seiner Ansicht nach gibt es bei den momentanen Benzinpreisen noch einige Cent Luft nach unten. Der Mineralölwirtschaftsverband wies dies zurück. Das Geld werde für Investitionen in neue Förderanlagen und Raffinerien gebraucht, sagte eine Sprecherin in Hamburg.
Am Dienstag war der Preis für Diesel auf die Rekordmarke von 98 Cent pro Liter geklettert, Super-Benzin näherte sich mit 1,19 Euro neuen Rekordhöhen.
Rekorde auf allen Märkten
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will auf ihrer nächsten Ministerkonferenz am 15. September in Wien Maßnahmen zur Dämpfung des Preisanstiegs besprechen. OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro betonte, es sei für die Opec weiterhin möglich, den Rohölpreis zu senken. Experten befürchten aber, dass er im Verlauf des Winters auf bis zu 50 Dollar steigen wird.
Der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Septemberauslieferung legte heute in London bis auf 40,99 Dollar zu. Damit wurde die alte Höchstmarke von Oktober 1990 von 40,95 Dollar übertroffen. Am New Yorker Warenterminmarkt Nymex stieg der Preis für Rohöl zur Septemberauslieferung in der Spitze bis auf 44,29 Dollar. Das war das höchste Niveau seit Beginn des Terminhandels 1983. Der Opec-Preis wurde in Wien mit 39,33 Dollar angegeben, 29 Cent mehr als am Vortag. Opec-Rohöl war am Montag auf den höchsten Stand seit der Einführung des Korbpreises Anfang 1987 gestiegen.