Konjunkturaussichten Neue Hiobsbotschaft
München - Im Mai sank der Frühindikator für die Entwicklung des Wirtschaftswachstums von 92,5 Punkten im April auf 90,9 Zähler. Analysten hatten teilweise zwar mit einem weiteren Abrutschen des Indizes gerechnet, jedoch in geringerem Maße. So hatten beispielsweise HSBC Trinkaus & Burkhardt mit einem Rückgang des Indizes im Mai auf 92,3 Punkte und die DGZ DekaBank auf 92 Punkte gerechnet.
Der Tiefpunkt ist mit dem Mai-Wert noch immer nicht erreicht, glauben die Wirtschaftsforscher. "Die Hoffnungen, dass sich zumindest die Geschäftserwartungen stabilisieren, sind nicht erfüllt worden", sagte der Leiters für Konjunkturumfragen, Gernot Nerb. Im Vormonat hatte es bei den Erwartungen zumindest positive Anzeichen gegeben. Anzeichen für eine Rezession sind lauf Nerb jedoch trotz des überraschend schwach ausgefallenen Geschäftsklima-Index nicht in Sicht.
Analysten äußerten sich in ersten Reaktion erschreckt und enttäuscht über den deutlichen Rückgang. Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein sagte: "Es zeigt, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal niedriger liegen könnte als erwartet, und dass Deutschland am Rand einer Rezession steht. Der Rückgang in den Erwartungen signalisiert, dass keine Trendwende in Sicht ist und dass sich die Abkühlung bis zum Ende des Jahres fortsetzen wird."
Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF sagte, der Index deute darauf hin, dass beim Ifo-Index auch in der nächsten Zeit keine Besserung zu erwarten sei. Zugleich bestätigt der Index die Einschätzung, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal dieses Jahres auf Null oder darunter fallen könnte.
Der ifo-Geschäftsklima-Index gilt als Frühindikator zur Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Das ermittelte Geschäftsklima setzt sich dabei aus der aktuellen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen zusammen. Ermittelt werden die Daten durch eine monatliche Umfrage unter 7000 Unternehmen in Ost und West.
Das meist als ifo-Geschäftsklima-Index bezeichnete Stimmungsbarometer ist genau genommen der Geschäftsklimaindex für Westdeutschland. Der Indikator für Ostdeutschland wird nach Ansicht von Volkswirten weniger beachtet, weil dieser sehr volatil und seine Aussagekraft für die ökonomische Stimmungslage in Deutschland nur begrenzt ist.