Konjunkturbericht Aufschwung schizophren
Berlin - Die Volkswirte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gehören zu den Pessimisten ihrer Zunft. Für das gesamte Jahr 2004 erwarten sie ein Wachstum von gerade 1,4 Prozent. Damit bleiben sie unter den Prognosen der meisten anderen Ökonomen und auch der Bundesregierung.
Laut DIW wird der Aufschwung erst im laufenden Jahr an Tempo gewinnen. Im ersten Vierteljahr habe sich das Wachstum mit 0,4 Prozent jedenfalls nicht beschleunigt. Denn laut DIW-Berechnung ist die Wirtschaft bereits im vierten Quartal 2003 um 0,4 Prozent gewachsen. Die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes werden am Donnerstag vorgelegt.
DIW-Chef Klaus Zimmermann sprach von einem "Aufschwung ohne Schwung, ohne Saft und Kraft". Ohne die Impulse aus dem Ausland würde Deutschland wohl noch immer in der Rezession stecken. "Es sieht so aus, dass allein die Auslandsnachfrage das Wachstum trägt", sagte DIW-Konjunkturexperte Andreas Cors laut Reuters.
Enttäuschung über die Steuerreform
Die privaten Konsumausgaben seien dagegen sogar zurückgegangen - vermutlich aus Enttäuschung über die geringe Entlastung durch die Steuerreform. Die rückläufigen Umsätze im Handel und die schwachen Neuzulassungszahlen für Pkw seien eine Folge der Konsumunlust.
Weil der Aufschwung vor allem vom Export getragen wird, ist er laut DIW anfällig für Rückschläge. So würden etwa negative Auswirkungen der Euro-Stärke die gesamte Wirtschaft treffen. "Durch neue Arbeitsplätze müsste der private Konsum gestärkt werden, das sehen wir aber ganz und gar nicht", sagte Cors.
Das DIW sieht aber auch Zeichen einer Wende zum Besseren. Die Daten zur Produktion und zum Auftragseingang im Dezember 2003 seien stark gewesen, heißt es im Konjunkturbericht. Positiv falle auf, dass sich auch die Baubranche moderat erholt habe.