Konjunkturdelle US-Wachstum drastisch verlangsamt
Washington - Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in den Monaten April bis Juni völlig überraschend nur noch um drei Prozent. Es war das langsamste Wachstum seit dem ersten Quartal 2003.
Von Januar bis März hatte das BIP nach Angaben des US-Handelsministeriums auf Jahresbasis noch um 4,5 Prozent zugelegt. Die US-Wirtschaft war seit dem zweiten Quartal 2003 um mehr als vier Prozent gewachsen. Die amerikanischen Wirtschaftsweisen hatten für das zweite Quartal dieses Jahres mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 3,6 Prozent bis 3,8 Prozent gerechnet.
Hauptursache für die unerwartet niedrige Wachstumsrate waren die Konsumentenausgaben, die mit 1,0 Prozent so schwach stiegen wie seit drei Jahren nicht mehr. Im ersten Quartal waren sie noch um 4,5 Prozent geklettert. Der Absatz langlebiger Güter wie Autos oder Kühlschränke ging im abgelaufenen Vierteljahr sogar um 2,5 Prozent zurück. Die Verbraucher sind die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft. Ihre Ausgaben machen rund zwei Drittel des BIP aus.
"Der Konsum war die starke Bremse im zweiten Quartal", sagte Patrick Fearon, Volkswirt von A.G. Edwards & Sons. "Das kann von den hohen Ölpreisen kommen, die für viele Leute ein Schock waren." Die Inflationsrate verharrte mit 3,3 Prozent auf vergleichsweise hohem Niveau. Ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise lag die Preissteigerung allerdings nur bei 2,4 Prozent gegenüber 2,5 Prozent in den vorangegangenen drei Monaten.
In der Zukunft dürfte der Konsum der US-Bürger allerdings wieder anziehen. Die Konsumenten blicken nach den letzten Daten nämlich so optimistisch in die Zukunft wie seit Juni 2002 nicht mehr. Nach Angaben des privaten Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board ist der Index für das Verbrauchervertrauen im Juli von 102,8 auf 106,1 Punkte gestiegen.
Auch die Experten der Universität Michigan sehen ein besseres Konsumklima. Der heute veröffentlichte Index ist auf 96,7 Punkte geklettert. Ursprünglich waren 96,0 Punkte ermittelt worden.
Als Stütze der US-Konjunktur erwiesen sich im zweiten Quartal die Exporte. Die Ausfuhren stiegen um 13,2 Prozent und damit deutlich stärker als zu Jahresbeginn (7,3 Prozent). Die Importe legten um 9,3 Prozent zu.
Die Wall Street reagierte mit leichten Kursrückschlägen auf die schwächeren Wachstumsraten. Der Dow Jones fiel zum Auftakt des Handels um 0,12 Prozent auf 10 116,63 Punkte. Der Euro notierte zeitweise über 1,21 Dollar.