Konjunkturklima: Manager trotz Ölpreishoch in Boomlaune - DER SPIEGEL
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Konjunkturklima Manager trotz Ölpreishoch in Boomlaune

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich überraschend verbessert - der ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf ein 15-Jahres-Hoch. Die Forscher sagen eine "robuste Konjunkturentwicklung" voraus - wenn da der steigende Ölpreis nicht wäre.
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Hamburg - Rund 7000 Unternehmen haben die Konjunkturexperten des Münchner ifo-Instituts befragt. Die bewerteten die wirtschaftliche Lage in Deutschland so gut wie im April 1991, in der Boomphase nach der Wiedervereinigung. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im April auf 105,9 Punkte, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut heute mit.

Im März hatte der Index bei 105,4 Punkten gelegen. Es war bereits der fünfte Anstieg in Folge. Dies spreche für eine "weiterhin robuste Konjunkturentwicklung", erklärte das Institut. Der Geschäftsklimaindex hatte zuletzt im April 1991 einen Wert von 105,9 Punkten erreicht.

Analysten hatten unter anderem wegen des teuren Öls mit einem leichten Rückschlag gerechnet. "Der Ölpreis ist sicher ein großes Risiko", sagte ifo-Volkswirt Klaus Abberger. Verharre der Ölpreis auf dem jetzigen Niveau, könne das den Konsum bremsen und indirekt über eine Abkühlung der Konjunktur in anderen Ländern die deutsche Wirtschaft belasten. Er gehe auf Dauer von einem relativ hohen Ölpreis aus, der aber schwanken werde: "Wenn der Preis wieder auf etwa 60 Dollar fallen sollte, spielt er nicht so eine große Rolle für die Konjunkturentwicklung."

Auswirkung der höheren Mehrwertsteuer ungewiss

Ungewiss ist nach Abbergers Worten die Konjunkturentwicklung im Jahr 2007, da sich dann die Mehrwertsteuererhöhung belastend auswirken werde. "Hinter dem Jahr 2007 steht ein Fragezeichen", sagte er. Mit negativen Auswirkungen rechnet das ifo-Institut insbesondere beim privaten Konsum, während die anziehende Investitionsgüternachfrage davon nicht belastet werden dürfte.

Die Unternehmen bewerteten im April auch ihre eigene derzeitige Situation zuversichtlicher: Der Lageindex stieg auf 106,4 von 105,1 Punkten. Der Zukunftsoptimismus der Firmen nahm minimal ab, das Barometer für die Erwartungen fiel auf 105,5 von 105,7 Punkten. Nach wie vor hegen die Industrieunternehmen aber sehr positive Erwartungen an das boomende Exportgeschäft.

Neben dem Verarbeitenden Gewerbe beurteilten auch der Bau und der Großhandel ihre Lage optimistischer. "Dagegen ist der Geschäftsklimaindex im Einzelhandel auf Grund vorsichtigerer Lageeinschätzungen etwas gefallen", teilte das ifo-Institut mit. In Ostdeutschland ging der Geschäftsklimaindex im Gegensatz zum Bundesdurchschnitt leicht zurück.

Ökonomen sehen in den insgesamt freundlichen ifo-Daten ein positives Signal für die Konjunkturentwicklung in Deutschland. Die Aufhellung der Stimmung lasse darauf hoffen, dass der Aufschwung einen längeren Atem aufweist, als bislang erwartet wird, hieß es von der Postbank. "Von einer bevorstehenden konjunkturellen Abkühlung ist jedenfalls in den ifo-Daten nichts zu sehen." Die Commerzbank erwartet ebenfalls eine Fortsetzung des konjunkturellen Aufwärtstrends. Die Industrie sei dabei allerdings weiterhin ein Hauptträger der konjunkturellen Entwicklung, sagte Volkswirt Ralph Solveen.

Trotz des überraschenden Anstiegs des wichtigsten Frühindikators in der größten europäischen Volkswirtschaft erwartet die HSBC Trinkaus & Burkhardt allerdings keine Änderung des geldpolitischen Kurses der Europäischen Zentralbank (EZB). Von dieser wird eine Anhebung des Zinssatzes erwartet. Das Stimmungshoch in der deutschen Wirtschaft werde die EZB nicht von "ihrem behutsamen Straffungskurs der Leitzinsen abbringen", sagte Volkswirt Thomas Amend. Die Währungshüter dürften aber abwarten, wie sich das "sehr freundliche Stimmungsumfeld" in harten Daten wie Auftragseingänge niederschlage und den Leitzins erst im Juni um 0,25 Punkte anheben.

kaz/dpa-AFX/Reuters