Konjunkturschock: "Das ist eine wirklich böse Überraschung" - DER SPIEGEL
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Konjunkturschock "Das ist eine wirklich böse Überraschung"

Die schlechten Wirtschaftsdaten vom Jahresende haben Statistiker und Experten auf dem falschen Fuß erwischt. Der Großteil hatte mit einer Belebung der Konjunktur gerechnet. Dennoch geben die Beobachter Entwarnung: Eine neue Rezession ist nicht in Sicht.
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Wiesbaden/Berlin - "Das ist eine wirklich böse Überraschung. Deutschland hat es im vierten Quartal einfach wieder nicht geschafft, etwas aus dem Export und der starken Weltwirtschaft zu machen", sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank (HVB). "Deutschland befindet sich in einer Delle, die im dritten Quartal begonnen hat", sagte DekaBank-Volkswirt Sebastian Wanke.

HVB-Experte Rees vermutete, das die schlechte Stimmung im Land für den BIP-Rückgang verantwortlich ist: "Der Hauptschuldige ist für mich die Diskussion um Stellenabbau, zum Beispiel bei Opel und Karstadt-Quelle. Das hat die Menschen sehr verunsichert und den privaten Konsum belastet."

Nach Angabe des Statistischen Bundesamts vom Dienstag sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im letzten Quartal des vergangenen Jahres real um 0,2 Prozent gegenüber dem dritten Quartal. Schon in den drei vorangegangenen Monaten war nur noch eine Stagnation verzeichnet worden. Außerdem fiel die Konjunkturbelebung im Gesamtjahr 2004 mit 1,6 Prozent um 0,1 Prozent schwächer aus als zunächst angenommen.

Erst stagniert, dann geschrumpft

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten im Schnitt mit einem Anstieg des BIP zum Vorquartal um 0,2 Prozent gerechnet. Kein einziger Volkswirt hatte dabei einen Rückgang des BIP prognostiziert. Das Statistikamt selbst hatte erst im Januar mitgeteilt, die Wirtschaft habe sich am Jahresende etwas besser entwickelt als im Sommer.

Laut Bundesamt hat sich die wirtschaftliche Belebung der ersten Hälfte des vergangenen Jahres damit in der zweiten Hälfte nicht fortgesetzt. Die Abschwächung im letzten Quartal führten die Statistiker vor allem auf die nach wie vor lahmende Inlandskonjunktur zurück, die auch durch die Zunahme des Exportüberschusses nur zum Teil ausgeglichen werden konnte.

Die meisten Experten hatten erwartet, dass der private Verbrauch am Jahresende zum Wachstum beigetragen hat. Allerdings hatte sich im Einzelhandel das vielerorts prognostizierte gute Weihnachtsgeschäft als Reinfall erwiesen.

Eine neue Rezession ist Volkswirten zufolge aber nicht zu befürchten, da die deutsche Wirtschaft vergleichsweise gut ins Jahr gestartet sei. "Eine Rezession kann man ausschließen. Der Einstieg in 2005 sollte besser gelaufen sein. Es gibt einige ermutigende Zeichen, dass die Inlandsnachfrage nach endlosem Gestottere an Schwung gewinnt", sagte Rees.

Nach der am Dienstag in Mannheim veröffentlichten monatlichen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) schätzen Anleger und Analysten die deutschen Konjunkturaussichten im Februar denn auch erneut optimistischer ein als im Vormonat. Der Index der Konjunkturerwartungen seit 35,9 Punkte geklettert - nach 26,9 Punkten im Vormonat. Volkswirte hatten im Durchschnitt 30,0 Punkte erwartet. Damit liegt der Index über seinem historischen Mittelwert von 34,4 Punkten.

Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank sagte: "Wir sind nicht in einer Rezession, sondern in einer Stagnation. Wir erwarten ein leicht beschleunigtes BIP im ersten Quartal 2005." Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und die Einkaufsmanagerindizes signalisieren, dass die deutsche Wirtschaft am Jahresanfang etwas kräftiger zulegt als Ende 2004. Auch der Auftragseingang der Industrie zeigte am Jahresende nach oben.

Ähnlich äußerte sich das Bundeswirtschaftsministerium. Die ersten Monate des neuen Jahres würden deutlich stärker als die hinter uns liegenden, hieß es dort.

Die meisten Experten setzen darauf, dass der Impuls vom starken Export 2005 zunehmend auch in der lahmen Binnenwirtschaft ankommt, indem Firmen mehr investieren und Verbraucher mehr Geld ausgeben. Noch bleibt jedoch fraglich, ob eine erstarkende Binnennachfrage die erwartete Abschwächung des Exportbooms ausgleichen kann. Auch ein steigender Ölpreis oder ein neuer Euro-Höhenflug könnten dem deutschen Aufschwung schnell gefährlich werden.