Konsum-Askese: Deutsche wollen auch 2003 knausern - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Konsum-Askese Deutsche wollen auch 2003 knausern

Wenn die Konjunktur im neuen Jahr tatsächlich wieder in Gang kommt, liegt das bestimmt nicht an einer Zunahme des privaten Konsums. Neuen Umfragen zufolge will die deutliche Mehrheit der Bürger 2003 noch weniger ausgeben als im bereits schwachen Vorjahr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Ergebnisse der Umfragen könnten eindeutiger kaum sein: 81 Prozent der Deutschen wollen einer Befragung des Forschungsinstitutes forsa zufolge 2003 weniger für Konsum ausgeben, im Osten seien es sogar 87 Prozent. Sparen wolle die Mehrheit vor allem beim Einkauf. Gut 62 Prozent planten zudem, weniger für Urlaubsreisen auszugeben oder sie ganz absagen. Forsa zufolge rechnen 60 Prozent der Bürger damit, weniger Geld in der Haushaltskasse zu haben. Nur 31 Prozent erwarten, dass sie ähnlich viel zur Verfügung haben wie 2002.

Auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kam nach einer Befragung zum Schluss, dass die Konsum-Zurückhaltung andauern wird. Die finanzielle Belastung durch steigende Steuern sei wenig geeignet, die Verbraucher zum Kauf zu motivieren. Auch die Furcht vor Arbeitslosigkeit drossele den Konsum. Der monatlich von der GfK berechnete Konsumklimaindikator sank im Januar auf 4,5 Punkte, nach 5,1 Punkten im Dezember. Eine nachhaltige Verbesserung sei nicht vor der zweiten Jahreshälfte zu erwarten, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. "Damit dürfte der private Konsum der flauen Konjunktur kaum neue Impulse geben."

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat seine schon pessimistischen Erwartungen daher weiter nach unten korrigiert. War er bisher davon ausgegangen, dass der Einzelhandelsumsatz um 0,5 Prozent zurückgeht, rechnet er nun mit einem Minus von 1,5 Prozent. "Wir wissen noch nicht, wann die Talfahrt zu Ende ist", sagte Hauptgeschäftsführer Holger Wenzel. Im vergangenen Jahr setzte der Einzelhandel nach vorläufigen Berechnungen rund 315 Milliarden Euro um. Dies wäre ein Minus von mehr als 2,5 Prozent. Auch das Weihnachtsgeschäft blieb hinter den Erwartungen zurück.

Wenn überhaupt Händler von der Konsumebbe profitieren, dürften es abermals die Discounter sein. Bereits jetzt werben Aldi-Süd und der Konkurrent Plus mit neuen Preissenkungen. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung rüsten sich die Lebensmittel-Riesen für eine weitere Eskalation des Preiskriegs.