Konsum Die Winterdepression kehrt zurück
Nürnberg - Die Ergebnisse der am Mittwoch veröffentlichten Konsumklimastudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für Mai sind alarmierend: Viele der von den Marktforschern befragten Verbraucher wollen auch weiterhin auf größere Anschaffungen verzichten oder diese zumindest zurückstellen. Mit einem Wert von minus 41,1 Prozent habe der Index für die Anschaffungsneigung im Mai um 14 Punkte unter dem entsprechenden Wert vom April gelegen, berichtete die GfK. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen liege damit noch niedriger als im Mai 2003.
"Die Verbraucher sind im Moment offenbar mehr verunsichert als die Unternehmen", kommentierte der Vorstandsvorsitzende der GfK, Klaus Wübbenhorst, die jüngsten Daten. Angesichts der geringen Konsumneigung blieben wahrscheinlich auch in den kommenden Monaten Impulse für die lahmende Binnennachfrage aus.
Nach Einschätzung der GfK-Experten nehmen derzeit vor allem die Zweifel an einem nachhaltigen Konjunkturaufschwung zu. "Den Deutschen mangelt es offenbar an der Überzeugung, dass Regierung und Opposition sowie die deutsche Wirtschaft in der Lage sind, die drängenden Probleme in naher Zukunft in den Griff zu bekommen." So sei der Indikator für die Konjunkturerwartung um zehn Punkte auf minus 18 gesunken.
Besonders deutlich sei die Unsicherheit vieler Bundesbürger an ihren Einkommenserwartungen abzulesen. Mit einem Wert von minus zehn, der etwa zehn Punkte unter dem April-Wert liege, sei im Mai die Hoffnung auf stabile Einkommen wieder gesunken. Viele Bürger befürchteten offensichtlich, dass Regierung und Opposition sie im Bemühen um einen Schuldenabbau erneut zur Kasse bitten könnten. Die Verunsicherung habe gerade in jüngster Zeit neue Nahrung erhalten, unter anderem durch Vorschläge zur Abschaffung beziehungsweise Beschneidung des Sparerfreibetrages oder der Pendlerpauschale.
Verschärft werde die Situation derzeit auch von der Entwicklung der Ölpreise. "Autofahren ist für uns Deutsche ein ganzes sensibles Thema. Schließlich sind wir eine Autofahrernation", erläuterte Wübbenhorst. "Erfahrungsgemäß beeinträchtigen steigende Preiserwartungen die Konsumlust der Bundesbürger. Muss mehr für Benzin ausgegeben werden, fehlen den Haushalten finanzielle Mittel für den Konsum an anderer Stelle".
Nach Wübbenhorsts Erkenntnissen bekommen vor allem die Unterhaltungselektronikbranche, die Möbelindustrie und die Gastronomie die Konsumzurückhaltung zu spüren. "Die Leute sparen an allem, was sie nicht unbedingt brauchen", berichtete der GfK-Chef. Statt eines Restaurantbesuchs leisteten sich Verbraucher öfter mal ein gutes Essen im privaten Rahmen mit hochwertigem Fleisch oder einer guten Flasche Wein. Darauf deutete die Entwicklung im Einzelhandel hin, wo ein Trend zu hochwertigeren Lebensmitteln festzustellen sei.
Bestätigt wird die pessimistische Stimmung auch durch den ifo-Geschäftsklimaindex, der am gestrigen Dienstag veröffentlicht wurde. Trotz eines leichten Konjunkturaufschwungs hatten die Wirtschaftsforscher ein leichtes Absinken der Zuversicht festgestellt. Der ifo-Index für Mai sank von 96,3 auf 96,1 Punkte. Der Aufschwung sei zu schwach für eine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt, urteilten die Experten. Der Stellenabbau werde leicht abgebremst weitergehen.