Konsum Inflation vermiest Einzelhandel das Geschäft
Nürnberg - Die Kauflaune der Verbraucher lässt angesichts steigender Preise weiter nach. Der deutsche Einzelhandel hat das Jahr 2007 bereits abgeschrieben und erwartet ein reales Umsatzminus von bis zu zwei Prozent. Nominal entspreche das einer Stagnation, sagte der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Josef Sanktjohanser, heute in Berlin. Dabei sei ein leichtes Umsatzplus im Weihnachtsgeschäft einkalkuliert.
Bis Ende September lagen die Umsätze der Branche nominal 0,5 Prozent und real 1,4 Prozent unter dem Vorjahr, sagte der HDE-Chef.
Für das Weihnachtsgeschäft, also die Monate November und Dezember, geht die Branche davon aus, dass das gute Vorjahresniveau von etwa 75 Milliarden Euro wieder erreicht werden kann. Allerdings seien die ersten Wochen im November eher verhalten angelaufen, sagte Sanktjohanser. Im Weihnachtsgeschäft macht der Einzelhandel knapp ein Fünftel seines Jahresumsatzes. Im vergangenen Jahr hatte das Weihnachtsgeschäft von den wegen der Mehrwertsteuererhöhung vorgezogenen Käufen profitiert und mit einem Umsatzplus von nominal 1,2 Prozent geschlossen.
Für das kommende Jahr sind die Aussichten laut Sanktjohanser vergleichsweise positiv. "Die Chancen stehen gut, dass es 2008 wieder etwas aufwärts gehen wird", sagte er. Der Umsatz werde stärker zulegen als in den vergangenen Jahren, denn 2008 werde es keine weiteren Steuererhöhungen geben, die Preise für Öl und Gas würden eher wieder etwas zurückgehen und die Preise für Lebensmittel moderater steigen.
Merkel: "Perfideste Form von Enteignung"
All dies dürfte die Ausgabenbereitschaft der Verbraucher erhöhen und die Sparquote verringern. Außerdem würden die Einkommen konjunkturbedingt wieder stärker steigen. Der HDE rechne vor diesem Hintergrund mit einem Umsatzplus von gut acht Milliarden Euro. Das sei ein Plus von nominal zwei Prozent und real 0,75 Prozent. 2006 setzte die Branche knapp 392 Milliarden Euro um.
Die trüben Angaben des HDE für das laufende Jahr wurden durch den heute veröffentlichten Konsumklimaindex des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK bestätigt: Er setzte den Abwärtstrend der vergangenen Monate fort. Nach 4,8 Punkten im November sank er auf 4,3 Prozent für Dezember.
Laut GfK verbesserten sich zwar die Einkommensaussichten, allerdings verschlechterten sich Konjunkturerwartung und Anschaffungsneigung. Konjunkturrisiken, wie ein starker Euro sowie hohe Lebensmittel- und Energiepreise überlagerten die guten Rahmenbedingungen der deutschen Wirtschaft. Die Forscher sprachen von einer "gefühlten Inflation", die die deutschen Verbraucher beeinflusse.
Gestern hatte das Statistische Bundesamt die Jahresteuerungsrate im November mit 3,0 Prozent beziffert. Dies sei die höchste Teuerungsrate seit Februar 1994. Preistreiber seien vor allem Lebensmittel und Energie gewesen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Inflation als eine "der perfidesten Formen der Enteignung der kleinen Sparer ohne Sachwerte". Die Bundesbank wie die Europäische Zentralbank hätten die Aufgabe, die Inflation zu bekämpfen, stets konsequent verfolgt, sagte sie dem "Stern". Sie setze sich daher für die Unabhängigkeit der Notenbanken ein.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) warnte dagegen im WDR vor einer Dramatisierung des Themas. Die jahresdurchschnittliche Inflation dürfe "2,1 oder 2,2 Prozent" betragen. "Das ist zwar hoch, aber nicht so hoch, dass man beunruhigt sein müsste."
kaz/ddp/AP