Konsumklima-Index Katerstimmung ist absehbar
Nürnberg - Zurzeit klingeln in Deutschlands Läden die Kassen: Der Konsumklimaindex des Nürnberger Marktforschungsinstituts Gfk kletterte im Juli kräftig nach oben und stieg auf 8,6 Punkte. Im Juli habe das Ergebnis bei 8 Punkten gelegen. Gedämpft wird die Stimmung der Forscher jedoch von den Konjunkturerwartungen der Bundesbürger. Sie wollen an den Aufschwung einfach nicht glauben, der entsprechende Wert setzte im Juli seine Talfahrt fort. Einziger Hoffnungsschimmer: Er liegt mit 15,6 Punkten noch immer rund 30 Punkte besser als bei der pessimistischen Einschätzung ein Jahr zuvor.
Die sogenannte Anschaffungsneigung erreichte trotzdem zum drittenmal in Folge ein Rekordhoch: Mit 57,5 Punkten liegt der Teilindikator um 70 Punkte höher als im Vorjahr. Doch die Kaufwut werde schon bald abebben, fürchten die Wissenschaftler. "Mehr und mehr Bundesbürger halten es angesichts der in sechs Monaten anstehenden Mehrwertsteuererhöhung für ratsam, vor allem größere Anschaffungen vorzuziehen", erklärten die Gfk-Forscher.
Dies dürfte der Binnenkonjunktur aber zumindest in der zweiten Hälfte dieses Jahres zusätzliche Impulse verleihen. Aufgrund fehlender Einkommenssteigerungen bei den privaten Haushalten würden die Anschaffungen jedoch häufig nur aus Erspartem oder über Verschuldung finanziert. Auch deshalb sei die Gefahr hoch, dass die positive Verbraucherstimmung wieder kippe, wenn die Einkommensaussichten sich wieder verschlechterten, warnten die Forscher. Sorgen um die Dauer des Aufschwungs hatten auch den gestern veröffentlichten Ifo-Geschäftsklimaindex absinken lassen.
Der GfK-Indikator für die Einkommensentwicklung erhöhte sich im Juli um fünf Punkte, ist aber mit minus 3,8 Punkten immer noch schlecht. Negative Folgen für ihre eigene finanzielle Situation befürchten die Verbraucher von der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung, der Reform des Gesundheitswesens und der Entwicklung der Öl- und Benzinpreise. "Deshalb bleibt das Gebot der Politik und Wirtschaft, dafür zu sorgen, dass die Einkommenserwartungen wieder zulegen können, unvermindert dringlich", schrieben die GfK-Experten.
ase/AP/dpa/reuters