Konsumklima Kauflust bricht im Dezember ein
Nürnberg - Der auf Basis der monatlichen Konsumenten-Umfrage im Dezember berechnete Konsumklima-Indikator für Januar habe mit einer Stagnation bei 5,5 Punkten seinen jüngsten Aufwärtstrend unterbrochen, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag in Nürnberg mit.
Die Neigung der Verbraucher zum Kauf langlebiger Produkte wie Fernseher oder Kühlschränke gab in der für den Einzelhandel entscheidenden Vorweihnachtszeit erstmals seit vier Monaten wieder nach. Der Indikator für die Anschaffungsneigung sank um 6,4 Punkte auf minus 32,2 Zähler. Der Einzelhandel hatte über ein schwaches Weihnachtsgeschäft geklagt und geht von einem Umsatzrückgang von drei bis vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte am Montag berichtet, dass die Hersteller von hochwertigen, langlebigen Konsumgütern noch keine Wende bei der Auftragslage hätten feststellen können.
Die Marktforscher führen die schlechte Stimmung auf das lange Ringen um den Reformkompromiss zurück. Die Dezemberbefragung habe den Kompromiss im Vermittlungsverfahren selbst aber noch nicht berücksichtigt, erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. Da nun mehr Klarheit über zukünftige Be- und Entlastungen der Bürger herrsche, dürfte sich die Konsumstimmung mit der erwarteten allgemeinen wirtschaftlichen Erholung verbessern.
Besonders deutlich zeigten die Einkommenserwartungen die Verunsicherung der im Auftrag der EU-Kommission befragten rund 2000 Bürger. Der Teilindikator sank um 7,3 auf minus 8,2 Punkte. "Da nun die Entscheidungen (zu den Reformen) gefallen sind, ist davon auszugehen, dass sich auch dieser Indikator in der Folge wieder stabilisieren kann", sagte Bürkl.
Für den privaten Verbrauch, auf den in Deutschland fast 60 Prozent der Wirtschaftsleistung entfällt, erwarten Volkswirte aber unter dem Strich von der Steuerentlastung allenfalls einen geringen Impuls. Eine wirkliche Trendwende bei den Konsumausgaben der Deutschen erwartet auch die GfK erst, wenn die Arbeitslosigkeit wieder deutlich zurückgeht.
Auch bei den Einschätzungen der Menschen zur weiteren Konjunkturentwicklung hinterließ der Reformstreit Bürkl zufolge seine Spuren. Der Indikator rutschte um fast zwei Punkte auf minus 1,6 Zähler und damit wieder unter seinen langjährigen Durchschnitt von null. Im Trend nehme aber die Zuversicht der Verbraucher über eine Konjunkturerholung wie bei den Unternehmen zu, sagte Bürkl. Unternehmensbefragungen wie zum Ifo-Geschäftsklimaindex haben zuletzt von Monat zu Monat wachsende Zuversicht bei den Betrieben signalisiert. Volkswirte erwarten ebenso wie die Bundesregierung, dass die deutsche Wirtschaft 2004 nach drei Jahren der Stagnation wieder zwischen 1,5 und zwei Prozent wachsen wird.