Konsumklima: Schlussspurt vor der Mehrwertsteuererhöhung - DER SPIEGEL
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Konsumklima Schlussspurt vor der Mehrwertsteuererhöhung

In Erwartung größerer Belastungen im kommenden Jahr treten viele Verbraucher offenbar die Flucht nach vorn an. Die Kauflust der Bundesbürger hat im September erneut ein Rekordniveau erreicht.
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Berlin - Wegen der Mehrwertsteuererhöhung erwägen einer Umfrage zufolge immer mehr Konsumenten, größere Käufe in dieses Jahr vorzuziehen. Anfang kommenden Jahres werde das bessere Konsumklima dann voraussichtlich einbrechen.

Der Konsumklimaindikator der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) legte für Oktober auf 8,8 von 8,6 Punkten im Vormonat zu, teilten die Marktforscher am Mittwoch mit.

Für GfK-Chef Klaus Wübbenhorst liegt die Ursache der Entwicklung auf der Hand: Den Menschen werde immer klarer, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei auf 19 Prozent zum Anfang nächsten Jahres komme. "Der Bürger wird jetzt langfristige Anschaffungen vorziehen." Allerdings verbessert sich damit die Kauflaune der Verbraucher nach Meinung von Analysten nicht nachhaltig. Jörg Lüschow von der West LB zufolge werden sie zwar den Konsum bis zum Jahreswechsel deutlich ankurbeln: "Das ist aber nur ein Strohfeuer."

Ostdeutschland im Kaufrausch

Vor allem einkommensschwächere Haushalte und allein lebende ältere Verbraucher wollten offenbar mit dem vorgezogenen Kauf von Haushaltsgeräten, Möbeln und Unterhaltungselektronik der für Anfang 2007 geplanten Mehrwertsteuererhöhung zuvorkommen, sagte Wübbenhorst. Das sei anscheinend auch der Grund für die gestiegene Anschaffungsneigung in Ostdeutschland: Während der entsprechende Indikator im Westen nur um 2,2 auf 61,2 gestiegen sei, kletterte er im Osten um 10,8 auf 66,3 Punkte.

Die GfK prognostiziert ein Ausgabenwachstum der Konsumenten von 0,7 Prozent im laufenden Jahr. "Und wir denken auch, dass das Konsumrad sich so schnell dreht, dass es im Januar nicht vollständig zum Stillstand kommt", sagte Wübbenhorst. Die Entwicklung stehe und falle aber mit der Entwicklung der Einkommenserwartung.

Da viele Haushalte dennoch nicht mit einem höheren Einkommen rechneten, werden nach Einschätzung von Wübbenhorst die meisten Käufe mit gespartem Geld finanziert. Dies werde zu einem Rückgang der Sparquote führen. Denn bei den Einkommenserwartungen überwiege weiter die Skepsis; der entsprechende Index sei im September um 5,0 Punkte auf einen Wert von minus 8,8 Punkte gesunken - und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von Null. "Die Einkommensentwicklung bleibt nach wie vor das Sorgenkind der Konsumnachfrage", unterstrich der GfK-Chef.

Arbeitslosigkeit größtes Problem

Für 80 Prozent der Deutschen bleibe Arbeitslosigkeit das größte Problem. "Ansonsten würde die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zu Konsumverzicht führen, zu einer steigenden Sparquote und damit indirekt zu einer Konsumbremse werden", sagte Wübbenhorst.

Auf die Konjunkturerwartungen schlägt diese Skepsis weniger durch. Der entsprechende Indikator legte um einen auf 12,4 Punkte zu. Damit scheine der Rückgang der vergangenen drei Monaten vorerst gestoppt, heißt es in der Auswertung der Umfrage. Dazu trügen gute Wachstumsprognosen für 2006 ebenso bei wie Anzeichen einer Wende am Arbeitsmarkt.

Die Konsumforscher gehen unterdessen davon aus, dass es den Herstellern und Händlern nicht gelingen wird, die Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent in voller Höhe an die Verbraucher weiterzugeben. "Ich vermute, dass die Anbieter eine Mischkalkulation bevorzugen und Schwellenpreise nicht überschreiten werden", sagte Wübbenhorst. Das Preisniveau werde also auch 2007 relativ stabil bleiben.

mik/dpa/Reuters