Konzernkrise: Karstadt forciert Stellenabbau - DER SPIEGEL
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Konzernkrise Karstadt forciert Stellenabbau

Der angeschlagene Handelskonzern KarstadtQuelle kommt bei der Sanierung besser voran als geplant. Ruhiger wird es für die Mitarbeiter deswegen nicht. Der Konzern will den Stellenabbau im Unternehmen beschleunigen.
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Essen - Der bis 2007 in gleichmäßigen Schritten geplante Abbau von 5700 Arbeitsplätzen soll jetzt zum größten Teil schon 2005 vollzogen sein, teilte der Konzern im Zuge der Bilanzvorstellung mit. 1800 Stellen seien bereits im ersten Quartal weggefallen. Im Einzelhandel sollen 4200, im Versandhandel 1500 Stellen wegfallen.

Die Zahl der Beschäftigten soll sich nach Angaben von Finanzchef Harald Pinger von rund 74.500 im Jahr 2004 auf etwa 54.000 in 2008 verringern. Neben den 5700 zu streichenden Stellen sollen 5000 weitere Jobs durch den Verkauf der kleinen Warenhäuser, 4000 durch die Herauslösung der Lebensmittelabteilungen und nochmals 5000 durch die Trennung von den Fachgeschäften wegfallen.

Trotz einer Forcierung seines Sanierungsprogramms plant KarstadtQuelle   keinen weiteren Arbeitsplatzabbau. "Momentan gibt es keine Pläne", sagte Pinger, der seit dem Rücktritt von Konzernchef Christoph Achenbach vergangene Woche die Geschäfte führt. KarstadtQuelle habe auch nicht vor, die mit der Gewerkschaft Ver.di verhandelten Personal- und Tarifmaßnahmen zu ändern oder zu kündigen, fügte der Manager hinzu.

Ver.di fordert Investitionen in den Warenhausbereich

Ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold forderte von der Konzernführung gegenüber SPIEGEL ONLINE zusätzliche Kraftanstrengungen im Einzelhandelsbereich. "Vor allem in die Zukunftsfähigkeit der Warenhäuser muss investiert werden, damit die Umsätze dort wieder steigen. Es muss endlich wieder Ruhe bei Karstadt einkehren", erklärte Wiethold.

Auch Investoren und Gläubiger nahm die Ver.di-Vertreterin in die Pflicht. "Die Mitarbeiter haben ihren Teil zur Sanierung beigetragen. Jetzt brauchen wir Rückendeckung von Anteilseignern und Banken", sagte Wiethold.

Sanierung sorgt für Milliardenminus

Der angeschlagene Handelskonzern ist 2004 vor allem wegen seines milliardenschweren Sanierungsprogramms tief in die Verlustzone gerutscht. Der um die Sonderbelastungen bereinigte operative Verlust fiel allerdings geringer aus als erwartet.

Der Verlust vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) betrug im abgelaufenen Jahr 1,63 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahr hatte Karstadt noch einen Gewinn von 225 Millionen Euro ausgewiesen. Bereinigt um die Sanierungskosten lag der Ebta-Verlust bei 190,7 Millionen Euro. Analysten hatten hier mit einem Fehlbetrag von 294 Millionen Euro gerechnet.

Ab 2006 soll der Konzern wieder wachsen

"Wir sind heute solide und sicher finanziert, unsere im September 2004 eingeleitete Restrukturierung ist auf Kurs", kündigte Pinger an. Es gebe keine Liquiditätskrise. Die geplante Hochzins-Anleihe, über die KarstadtQuelle mit Goldman Sachs und Barclays verhandle, werde ein Volumen von maximal 300 Millionen Euro haben und solle bis Ende Mai abgeschlossen sein, sagte er.

2005 erwartet der Konzern für das fortgeführte Geschäft einen Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Im ersten Quartal sei der Umsatz um 8,6 Prozent zurückgegangen, allerdings habe das Vorjahresquartal vier Verkaufstage mehr gehabt.

Trotzdem will das Unternehmen in die Gewinnzone zurückkehren: Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sieht KarstadtQuelle für 2005 einen Gewinn von mehr als 500 Millionen Euro nach einem Verlust von 506 Millionen Euro im Vorjahr. Im November hatte KarstadtQuelle für 2005 bei vergleichbarer Betrachtung noch ein um 14 Millionen Euro niedrigeres Ebitda in Aussicht gestellt.

"Ab 2006 wird der KarstadtQuelle-Konzern mit vollständig neuem Profil wieder Wachstum erzielen können", zeigte sich der Finanzchef optimistisch. Positive Impulse erwartet er vor allem von der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und dem anstehenden Jubiläum zum 125-jährigen Bestehen von Karstadt.

Die neue Ausrichtung der Warenhäuser zeige bereits Ergebnisse, sagte Pinger. Die im Konzern verbleibenden 89 größeren Warenhäuser hätten im ersten Quartal deutlich besser abgeschnitten als die zum Verkauf stehenden 75 kleineren Filialen. Der Umsatz im Modebereich sei im Februar und März um 5,7 Prozent gestiegen.

Im Versandbereich wolle der Konzern vor allem im Ausland und durch den Ausbau des Internet-Vertriebs wachsen, bekräftigte Pinger. 2005 und 2006 sei der Markteintritt von Quelle und Neckermann in 14 neuen Ländern vorgesehen, vor allem in Mittel- und Osteuropa.