Konzernumbau: Siemens legt Gewinnsprung hin - DER SPIEGEL
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Konzernumbau Siemens legt Gewinnsprung hin

Der radikale Konzernumbau zahlt sich aus: Der Gewinn von Siemens stieg binnen eines Jahres um satte 38 Prozent. Das Plus geht vor allem auf den Verkauf des BenQ-Handygeschäfts zurück. Kehrseite des Deals: Die deutschen BenQ-Mitarbeiter müssen inzwischen sogar um ihre Abfindungen bangen.
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München - Im Geschäftsjahr 2005/06 steigerte Siemens   den Gewinn um 38 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. In mehr als der Hälfte der Geschäftsbereiche verfehlte Siemens aber noch seine ehrgeizigen Renditeziele. Konzern-Chef Klaus Kleinfeld ist dennoch optimistisch, dass wie versprochen bis zum Frühjahr alle Sparten die Margenvorgaben erfüllen. "Wir waren noch nie so stark aufgestellt wie jetzt, um dieses Ziel zu erreichen", sagte er bei der Vorlage der Bilanz in München.

Siemens stand in den vergangenen Monaten stark in der Kritik. Nur ein Jahr nach dem Verkauf der Handysparte an den taiwanesischen BenQ   -Konzern ging BenQ Mobile mit 3000 Mitarbeitern in Deutschland pleite. Angesichts der massiven öffentlichen Kritik legte Siemens einen Härtefonds für die ehemaligen Mitarbeiter auf.

Kleinfeld hat trotz der Pleite den Verkauf verteidigt. "Vieles sprach für BenQ zum damaligen Zeitpunkt", sagte er heute. Das taiwanische Unternehmen habe eine erfahrene Führungsmannschaft gehabt und sei zudem der einzige Interessent an der Siemens-Mobilfunksparte gewesen, der die Verpflichtungen des Ergänzungstarifvertrages voll übernehmen wollte.

BenQ Mobile gerät weiter unter Druck

Die Insolvenz des Deutschlandgeschäftes von BenQ habe die Siemens-Führung "sehr überrascht" und "sehr betroffen" gemacht. Die Schuld daran sieht Kleinfeld alleine bei den neuen Inhabern. "Man muss nüchtern feststellen, dass es BenQ nicht gelungen ist, genügend attraktive Produkte hervorzubringen."

Derweil gerät der BenQ Mobile offenbar immer mehr unter Druck. Der Münchner Arbeitsrechtler Johannes Falch rechnet damit, dass sich der Verdacht auf verschleppte Insolvenz gegen BenQ erhärten wird. Falch sagte der "Rheinischen Post", dass bereits Mitte August Aufhebungsverträge geschlossen worden seien, die bis zu 250.000 Euro Abfindung vorgesehen hätten. "Wenn aber schon Mitte August klar war, dass kein Geld mehr fließt, sind die Mitarbeiter bewusst getäuscht worden", erklärte er.

Durch die Pleite sind die Abfindungen reine Insolvenzforderungen, die mittels Quotenrechnung ermittelt werden, sagte Falch dem Blatt. "Die Beschäftigten verlieren somit nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern bekommen lediglich zwei bis sechs Prozent der ursprünglichen Abfindungssumme", rechnete der Arbeitsrechtler vor.

Mutterkonzern stellte Zahlungen ein

BenQ Mobile ist mit seinen Standorten in München, Kamp-Lintfort und Bocholt aus der defizitären Siemens-Handysparte hervorgegangen. Insolvenzverwalter Martin Prager gab jüngst bekannt, dass bundesweit rund 1900 Stellen, davon allein in Kamp-Lintfort rund 1100 Stellen, abgebaut werden müssten.

Bei Siemens ist der Gewinnsprung im abgelaufenen Geschäftsjahr zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass die Verluste der Handysparte wegfielen. Doch auch die übrigen Bereiche machten Fortschritte. Das Ergebnis der Bereiche stieg im fortgeführten Geschäft um zwölf Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Der Umsatz verbesserte sich auf heutiger Konzernbasis um 16 Prozent auf 87,3 Milliarden Euro. Auch der Auftragseingang verbesserte sich um 15 Prozent auf 96,3 Milliarden Euro. Allerdings gingen die Bestellungen im vierten Quartal um vier Prozent zurück.

Kleinfeld ist für das laufende Geschäftsjahr dennoch weiter zuversichtlich. "Für das Geschäftsjahr 2007 erwarten wir Wachstum, das bereinigt um Desinvestitionen doppelt so hoch ausfallen wird wie das durchschnittliche Weltwirtschaftswachstum." Zudem sollten die Verbesserungen in der Aufstellung des Konzerns auch in höhere Gewinne umgewandelt werden. Die Siemens-Aktie war mit einem Plus von mehr als zwei Prozent zeitweise an der Spitze des Dax  .

Die Margenziele erreichten im abgelaufenen Geschäftsjahr nur fünf von elf Bereichen. Die Kommunikationssparte Com wird dabei aufgelöst. Von den übrigen Bereichen ist das größte Sorgenkind nach der Trennung von der Handysparte der IT-Dienstleister SBS, der den Verlust im Geschäftsjahr nur leicht auf 549 Millionen Euro verringerte. Auch die Verkehrstechnik (Bereichsergebnis 80 Millionen Euro) ist von der vorgegebenen Rendite noch weit entfernt. Zu den Wackelkandidaten gehören auch unter anderem die Gebäudetechnik SBT (234 Millionen) und der Industriedienstleister I&S (289 Millionen Euro). Kleinfeld bekräftigte die Margenziele dennoch für alle Bereiche. Größter Gewinnbringer war im abgelaufenen Jahr die Antriebssparte A&D, die den Gewinn um ein Viertel auf 1,6 Milliarden Euro steigerte. Auch die Medizintechnik war mit einem Ergebnisplus von neun Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro einmal mehr eine Ertragsperle.

tim/dpa/ddp/AFP

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