Konzernumbau: Telekom will 50.000 Mitarbeiter ausgliedern - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Konzernumbau Telekom will 50.000 Mitarbeiter ausgliedern

Für die Mitarbeiter der Telekom wird es ernst: Rund 50.000 Beschäftigte will das Unternehmen ausgliedern, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats. In Bonn sind Tausende wütende Mitarbeiter auf der Straße.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bonn - Offiziell war bisher nur die Rede von "mehr als 45.000 Mitarbeitern", die die Telekom in eigenständige Gesellschaften überführen möchte. Tatsächlich sind aber wohl 49.000 bis 50.000 Menschen betroffen. Das verlautete nach einer Sitzung des Aufsichtsrats aus dem Gremium.

Die Teilgesellschaften würden aber nicht verkauft, sagte der Telekom-Personalbeauftragte Dietmar Welslau heute in Bonn. Morgen will der neue Telekom-Vorstandsvorsitzende Rene Obermann seine Pläne zur Umstrukturierung des Konzerns erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Insgesamt könnte die Umschichtung aber weniger Menschen treffen als zunächst befürchtet. In der vergangenen Woche hatten Gewerkschafter von 60.000 Job-Verlagerungen gesprochen, die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuletzt von 55.000 berichtet. Dem Bericht zufolge sollen die Beschäftigten 40 oder 40,5 statt bislang 34,5 Stunden pro Woche arbeiten. Den Mitarbeitern soll im Gegenzug ihr Job fünf Jahre lang garantiert werden.

Eine Telekom-Sprecherin bestätigte die Zahlen nicht. "Es gilt nach wie vor, es können mehr als die ursprünglich angedachten 45.000 Mitarbeiter werden, die in eigene Gesellschaften ausgegliedert werden sollen", sagte sie. Die Telekom wolle zudem eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf mindestens 38 Stunden erreichen.

Im Gegenzug wolle der Konzern mit der Gewerkschaft über eine Beschäftigungsgarantie für die Betroffenen verhandeln. "Wir haben Gesprächsbereitschaft signalisiert und erwarten in Kürze die Aufnahme der Gespräche", ergänzte die Sprecherin. Die Beschäftigten der Konzernmutter Deutsche Telekom AG sind bis Ende 2008 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Zur AG gehören im Wesentlichen die Festnetzsparte T-Com und die Telekom-Zentrale mit gut 100.000 Beschäftigten.

Mehrere Tausend Telekom-Mitarbeiter haben heute in Bonn lautstark ihrem Unmut über die Umstrukturierungspläne des Vorstands Luft gemacht. Nach übereinstimmenden Angaben der Gewerkschaft Ver.di und der Polizei beteiligten sich etwa 13.000 Menschen an dem Protest kurz vor der Aufsichtsratssitzung, die am Nachmittag über die Pläne von Telekom-Chef Obermann befinden soll.

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer und Ver.di-Chef Frank Bsirske wandten sich gegen die Umbaupläne des Konzerns. Sommer äußerte den Verdacht, damit solle die Zerschlagung des Unternehmens vorbereitet werden. Zugleich griff er scharf die Bundesnetzagentur an. Die Probleme der Telekom seien auch entstanden, weil sie seit über zehn Jahren "kaputtreguliert" werde.

wal/ddp/Dow Jones/Reuters/AP