Konzernumbau ThyssenKrupp setzt auf Zentralismus
Düsseldorf - Deutschlands größter Stahlproduzent ThyssenKrupp steht vor dem größten Konzernumbau seit dem Zusammenschluss in den neunziger Jahren. Der Aufsichtsrat des Stahlriesen habe einstimmig grünes Licht für die Pläne des Vorstandes zur Straffung des Unternehmens gegeben, berichtete Konzernchef Ekkehard Schulz am Mittwoch. Auch die Arbeitnehmervertreter stimmten der Umstrukturierung zu, nachdem der Vorstand zugesichert hatte, dass der Umbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen soll.
Angesichts der dramatischen Stahlkrise will der Konzern seine Struktur deutlich verschlanken. "Der ThyssenKrupp-Konzern wird künftig von einer starken Zentrale geführt und gesteuert", beschrieb Schulz die neue Struktur. Die acht operativen Geschäftsbereiche des Konzerns würden künftig direkt an diese Zentrale angebunden. Die bisher vorhanden fünf Zwischenholdings werden gestrichen. So sollen die Verwaltungskosten des Konzerns um etwa 20 Prozent gesenkt werden.
Höhe des Stellenabbaus bleibt offen
Schulz machte keine Angaben dazu, wie viele Arbeitsplätze durch die selbstverordnete Schlankheitskur wegfallen werden. Dies werde erst in einigen Monaten feststehen. Doch bekräftigte er: "Wir haben mündlich und schriftlich vereinbart, alles zu tun, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und das werden wir auch tun."
Der Düsseldorfer Stahl- und Technologiekonzern leidet derzeit massiv unter der weltweiten Konjunkturkrise. Allein zwischen Januar und März erlitt ThyssenKrupp unter dem Strich einen Verlust von 362 Millionen Euro. Und eine durchgreifende Besserung der wirtschaftlichen Lage ist nach Einschätzung von Schulz nicht in Sicht. "Wir gehen heute davon aus, dass die erforderlichen strukturellen Anpassungen in der Weltwirtschaft über mehrere Jahre zu einem allenfalls gedämpften wirtschaftlichen Wachstum führen werden."
Konzernpatriarch Beitz vermittelte Kompromiss
In dieser dramatischen Situation sei die einmütige Zustimmung des Aufsichtsrats zum Konzernumbau ein "ganz wichtiges Aufbruchsignal", sagte Schulz. Denn der Einigung waren deutliche Auseinandersetzungen zwischen Konzernspitze und Arbeitnehmervertretern vorausgegangen. Auslöser waren Äußerungen von Schulz selbst, der betriebsbedingte Kündigungen zunächst nicht ausgeschlossen und damit erhebliche Proteste in der Belegschaft ausgelöst hatte. Zuletzt demonstrierten am vergangenen Montag rund 15.000 Mitarbeiter des Konzerns gegen drohende Entlassungen.
Die Lage entspannte sich erst, als Konzernpatriarch Berthold Beitz eingriff und einen Kompromiss zwischen den Konfliktparteien vermittelte. Die nun geschlossene Vereinbarung sieht nicht nur den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vor. Auch Einkommensverluste müssten die von der Umstrukturierung betroffenen Mitarbeiter zunächst nicht befürchten, hieß es. Darüber hinaus seien Regelungen zur Sicherung der Mitbestimmung im neuen Konzern getroffen worden, berichtete die IG Metall.
Die Mitbestimmung im künftig stärker zentral geführten Konzern soll unter anderem durch neue Beirate gesichert werden. Die Stahlsparte ThyssenKrupp Steel werde weiterhin uneingeschränkt der Montanmitbestimmung unterliegen, betonte die Gewerkschaft. Im Vergleich zu anderen Branchen haben die Arbeitnehmer der Metall- und Bergbauindustrie damit mehr Rechte.