Kooperationen: debitel greift an - DER SPIEGEL
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Kooperationen debitel greift an

Mit seinem Geschäftsmodell, Telekommunikation ohne eigenes Netz anzubieten, agiert debitel immer erfolgreicher. Den entscheidenden Durchbruch aber erwarten die Experten mit dem Einstieg in den UMTS-Markt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Im Kampf um den Zugang zu den bestehenden GSM-Mobilfunknetzen sind die Stuttgarter jetzt wieder einen Schritt vorangekommen. Wie SPIEGEL ONLINE aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat ein Gericht dem Münchener Netzbetreiber VIAG Interkom aufgetragen, sich mit debitel über den Zugang zu seinem Mobilfunknetz zu einigen. Zurzeit würden die ersten Vertragsentwürfe formuliert.

Bisher hatte sich VIAG Interkom geweigert, debitel als Wiederverkäufer seiner Dienste zuzulassen. Falls es zu einer Einigung kommt, könnte debitel die letzte Lücke in seinem GSM-Angebot schließen, denn mit T-Mobile (D1), Vodafone (D2) und E-Plus haben die Stuttgarter schon die wichtigsten Netzbetreiber im Programm. Debitel-Chef Peter Wagner fühlt sich damit in seiner Geschäftspolitik voll bestätigt: "Um im Mobilfunkmarkt Geld zu verdienen, braucht man kein eigenes Netz."

Nach Ansicht von Experten stehen die Stuttgarter mit ihrem Geschäftsmodell aber erst am Anfang. Den Durchbruch erwarten sie mit dem Start der dritten Mobilfunkgeneration UMTS. Wolfram Römhild, Berater bei McKinsey, hat errechnet, dass die Service-Provider bisher schon ohne den Kostenaufwand für ein eigenes Netzwerk und Lizenzgebühren eine Bruttomarge zwischen 20 und 30 Prozent erzielen.

Im UMTS-Zeitalter aber wird der größte Teil der Wertschöpfung mit Inhalten, wie etwa Nachrichten, E-Commerce oder mobilen Bankgeschäften, erzielt und nicht mehr mit Sprachübertragung. Das Geschäft mit dem schnellen Datentransfer über das Handy machen also die Dienste-Anbieter, nicht die Netz-Betreiber.

Bisher hatten sich diese geweigert, die unliebsame Konkurrenz mit eigenen Diensten auf ihre Netze zu lassen. Doch abgesehen von der gesetzlichen Verpflichtung hat der Druck, möglichst schnell viele Kunden zu bekommen, die Verhandlungsposition der Netzbetreiber geschwächt. Die Front bröckelt bereits. Als erster Netzbetreiber öffnet jetzt D2 Vodafone debitel den Zugang und sichert sich so den Zugriff auf rund sechs Millionen Mobilfunkkunden, über die debitel nach eigenen Angaben in Deutschland verfügt - nach Einschätzung von Marktbeobachtern entspricht das einem Marktanteil von 13,5 Prozent.

Wie zur Bestätigung seines Triumphs fügte debitel-Chef Peter Wagner hinzu: "Debitel wird sich im UMTS-Geschäft weder an den Kosten für die Lizenzen noch am Netzaufbau beteiligen." Die Zusammenarbeit mit Vodafone sei nicht exklusiv. Der auf lange Frist geschlossene Vertrag könne aber als Vorlage für Vereinbarungen mit anderen UMTS-Lizenznehmern dienen.

Um rechtzeitig zum Start von UMTS genügend Inhalte und Servicedienste bereitstellen zu können, hat Wagner sich mit Viva-Gründer Dieter Gorny verbündet. Der Kölner Medienunternehmer soll das Marketing unterstützen und Inhalte entwickeln, die sich vor allem an Jugendliche richten. Geplant ist zudem, dass Handy-Hersteller Nokia sich an der Kooperation beteiligt. Details seien aber noch offen, erklärte ein debitel-Sprecher.

Weitere Beteiligungen dieser Art könnten aber schon bald folgen, sagte Wagner. "Wir haben genügend Barmittel zur Verfügung." Geben nun auch noch die Deutsche Telekom, E-Plus und VIAG Interkom ihre Verweigerungshaltung auf, ist debitel der lachende Siebte im Poker um die UMTS-Lizenzen.

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