Korruption DaimlerChrysler engagiert Ex-FBI-Chef als Aufklärer
Detroit - Er gilt als Spezialist für schwierige Fälle. Seit seinem Ausscheiden als Direktor der US-Bundespolizei FBI im Jahr 2001 arbeitet Louis Freeh als Rechtsanwalt für die Gavel Consulting Group, die sich auf die Beratung von Unternehmen spezialisiert hat, die ins Visier der Behörden geraten sind. Freeh soll also einerseits die internen Untersuchungen bei DaimlerChrysler voranbringen, andererseits aber auch die Interessen nach außen hin schützen.
Vor zwei Jahren hatte die amerikanische Börsenaufsicht SEC Untersuchungen gegen den an der New Yorker Börse notierten Konzern eingeleitet, weil Manager in mehr als einem Dutzend Länder Schmiergelder gezahlt haben sollen. Außerdem geht es um Unregelmäßigkeiten bei Steuerzahlungen für ins Ausland entsandte Mitarbeiter.
Im März hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren wegen Unregelmäßigkeiten Lieferungen von Fahrzeugen nach Polen, Belgien und Ghana bei eingeleitet. Zudem hatte der Konzern eingeräumt, interne Untersuchungen hätten ergeben, dass vor allem in Afrika, Asien und Osteuropa unsachgemäße Zahlungen erfolgt seien. Mehr als ein Dutzend Führungskräfte wurden im Zuge der Anti-Korruption-Ermittlungen entlassen oder beurlaubt.
Gegenüber dem "Wall Street Journal" betonte DaimlerChrysler-Sprecher Han Tjan die Unabhängigkeit Freehs. "Wir bemühen uns sehr um die Aufklärung der Vorkommnisse", sagte Han. Denn man lege größten Wert auf hohe ethische Standards.
Doch die Verständigung mit den Behörden spielte bei der Beauftragung Freehs eine ebenso große Rolle. Milde stimmen soll er insbesondere die US-Börsenaufsicht SEC.
Insgesamt bezahlte der Autobauer bislang 16 Millionen Dollar an Bußgeldern. Und auch die Mitgliedschaft bei der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International wurde suspendiert - ein Ausschluss ähnlich wie im Falle des Siemenskonzerns nicht ausgeschlossen.
mik/Reuters