Korruption Norwegischer Siemens-Maulwurf packt aus
Oslo - In seinem Buch "Ein Maulwurf bei Siemens" berichtet der ehemalige Buchhalter von Siemens Business Services (SBS), Per-Yngve Monsen, von einer Affäre mit überhöhten Rechnungen und Bestechungsgeldern. Dank solcher Methoden habe Siemens über mehrere Jahre glänzende Geschäfte mit dem Verkauf von Computern und Dienstleistungen an das norwegische Verteidigungsministerium gemacht.
Monsen versichert, er habe seine norwegischen Vorgesetzten 2002 auf die Unregelmäßigkeiten hingewiesen. Als dies keine Wirkung zeigte, habe er sich 2004 auch an die Konzernzentrale in Deutschland gewandt. "Siemens hat im Laufe der Zeit mehrere Male Gelegenheit gehabt, die Dinge in Ordnung zu bringen. Aber die gegenwärtige norwegische Firmenleitung sowie die ehemalige Führungsriege in Deutschland haben das mit extremer Arroganz verhindert", erklärte Monsen bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Buches. Nach Darstellung von Monsen haben seine zunächst konzerninternen Enthüllungen den einzigen Effekt gehabt, dass eine Treibjagd auf den "Maulwurf" begann. Im Jahr 2005 habe er deswegen sogar seinen Job verloren.
Siemens widerspricht dieser Darstellung. Vielmehr sei Monsen ein neuer Posten angeboten worden. 2005 wurde die SBS-Chefetage neu besetzt. Der größte Teil des Geschäfts mit dem Verteidigungsministeriums wurde eingestellt. Die Siemens-Tochter stimmte außerdem einer Rückerstattung von 75 Millionen Kronen (9,4 Millionen Euro) zu. "Wir haben da, wo es nötig war, unseren Haushalt aufgeräumt", erklärte Gry Rohde Nordhus, Sprecher von Siemens Norwegen. Das Unternehmen weigert sich jedoch, eine Buße von neun Millionen Kronen zu zahlen, die die norwegische Finanzpolizei im Dezember 2007 verhängte. Der Streit mit den Steuerbehörden wird nun vor Gericht ausgetragen.
cjp/AFP