Korruption und Steuerhinterziehung: Finanzskandal holt DaimlerChrysler ein - DER SPIEGEL
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Korruption und Steuerhinterziehung Finanzskandal holt DaimlerChrysler ein

Die Untersuchungen liefen zwei Jahre, nun kommen mehr Details des Finanzskandals bei DaimlerChrysler ans Licht: Mitarbeiter des Autokonzerns sollen einem Magazinbericht zufolge Steuern in großem Stil hinterzogen, schwarze Konten betrieben und in viele Länder Schmiergelder gezahlt haben.
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Hamburg - Die Vorwürfe von David Bazetta hatten den Beigeschmack von Rache: Der einstige DaimlerChrysler-Mitarbeiter, der behauptete, bei dem Autobauer bestehe ein System von Schwarzkonten, war gefeuert worden. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC leitete dennoch Ermittlungen ein. Und die Vorwürfe waren nicht ohne Fundament, wie der "Focus" jetzt zwei Jahre danach unter Berufung auf Unterlagen der zuständigen US-Kanzlei Skadden berichtet.

Dank eines illegalen Steuermodells habe DaimlerChrysler jahrelang Millionen bei Gehältern eingespart. Ins Ausland entsandte Mitarbeiter erhielten demnach nur einen Teil ihres Gehaltes in dem Land, in dem sie arbeiteten. Den Rest überwies der Konzern auf ein deutsches Konto des Angestellten, das dieser als Brutto-wie-netto-Zahlung komplett einbehielt und nicht in seinem ausländischen Einsatzland ordnungsgemäß versteuerte. Die Steuererklärungen seiner Auslandsmitarbeiter erstellte fast immer DaimlerChrysler und unterschlug dabei den in Deutschland gezahlten Lohn.

Die Anwälte hätten geheime Konten, die nicht in den Bilanzen auftauchten, etwa in der Schweiz entdeckt. Aber auch in Deutschland seien die Skadden-Fahnder auf zahlreiche schwarze Kassen gestoßen, auf denen sich durch verdeckte Rabattzahlungen des Konzerns häufig Millionensummen angesammelt haben sollen. Von einem Konto in Untertürkheim sollen außerdem jahrelang Bestechungsgelder in verschiedene Länder geflossen sein. Der Autobauer habe sich wegen der Affäre inzwischen von mindestens acht Managern getrennt.

Konzern-Sprecher Hartmut Schick bestätigte die Praktiken: "Die Tatsache, dass sich DaimlerChrysler mit unsachgemäßen Zahlungen und Steuersachverhalten im Hinblick auf die ins Ausland entsandten Mitarbeiter befasst, wurde aber bereits im Geschäftsbericht 2004 und 2005 berichtet." In diesem seien auch die finanziellen Auswirkungen beschrieben worden. DaimlerChrysler habe Maßnahmen ergriffen, damit dies nicht wieder auftritt. "Zu den noch laufenden Untersuchungen geben wir keine weiteren Kommentare ab", sagte Schick weiter. Dem Bericht zufolge musste der Konzern wegen der Affäre sein Eigenkapital bereits um 306 Millionen Euro reduzieren und weitere 125 Millionen Euro zurückstellen.

Mit etlichen Ländern habe der Konzern außerdem bereits Vereinbarungen über die Begleichung der Steuerschulden getroffen, so etwa mit Nigeria, der Elfenbeinküste, Polen und einigen Staaten in Südamerika. Eine Selbstanzeige erstattete das Unternehmen inzwischen auch bei einem deutschen Finanzamt, wo ebenfalls Steuern nachgezahlt wurden.

ase/dpa-AFX/ddp