Korruptionsskandal: Bahn rechnet mit weiteren Fällen - DER SPIEGEL
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Korruptionsskandal Bahn rechnet mit weiteren Fällen

Die Schmiergeldaffäre, in die mehrere Bahn-Mitarbeiter verwickelt sein sollen, stellt angeblich nur die Spitze eines Eisberges dar. Offensichtlich wurden die beiden mutmaßlichen Täter bei ihrer Festnahme in flagranti ertappt.
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Halle/Leipzig - Die Liste der Vorwürfe im Korruptionsskandal bei der Deutschen Bahn wird immer länger. Die seit mehr als einem Jahr laufenden Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Einem der am Donnerstag festgenommenen Verdächtigen werde inzwischen Bestechlichkeit in 13 Fällen, Vorteilsnahme und der Verrat von Betriebsgeheimnissen vorgeworfen, berichteten Zeitungen am Samstag. Gegen seinen ebenfalls in Haft sitzenden Komplizen wird nach Informationen der "Mitteldeutschen Zeitung" wegen Geldwäsche ermittelt.

Beide sollen dem Blatt zufolge in Halle eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gegründet haben, um über diese Schmiergeldzahlungen abzuwickeln. Der Hauptverdächtige, ein 53-jähriger ehemaliger Bahnoberrat aus dem Projektzentrum Leipzig der Bahn-Tochter Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (PBDE) - soll dem Blatt zufolge bislang drei Millionen Mark an illegalen Zahlungen erhalten haben.

Er soll bei der Auftragsvergabe für den Aus- und Neubau von Strecken in Ostdeutschland Schmiergelder kassiert haben. An seinen 52-jährigen Helfer seien mindestens 600.000 Mark geflossen.

Bahnsprecher Dirk Große-Leege rechnet mit weiteren Hinweisen in dem Korruptionsskandal und vermutet, dass derzeit nur die Spitze des Eisbergs bekannt sei. Zwischen Baufirmen und Ingenieurbüros habe ein gut getarntes System bestanden, sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Dies müsse über einen langen Zeitraum funktioniert haben. So hätten sich die Beschuldigten von den Firmen auch zu Auslandsreisen einladen lassen. Zudem seien Feiern bezahlt worden.

Die "Mitteldeutsche Zeitung" schreibt weiter, dass die beiden Männer bei ihrer Festnahme in Karlsruhe in flagranti erwischt worden seien. Zum Zeitpunkt des Zugriffs hätten sie sich bei einem Mittagessen mit "Geschäftspartnern" befunden, das diese auch bezahlt hätten. Das habe die Kriminalisten überrascht, weil dem 53-jährigen Hauptverdächtigen die Ermittlungen bereits seit einem Jahr bekannt seien.

Am Donnerstag hatten zahlreiche Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt auch mehrere Objekte in verschiedenen Bundesländern durchsucht. Sie stellten dabei umfangreiches Material sicher, das den Verdacht auf Korruption bei der Auftragsvergabe belegen soll. Der Fall war ins Rollen gekommen, nachdem die Deutsche Bahn AG im April 2000 bei der Staatsanwaltschaft Halle Strafanzeige erstattet hatte.