Kosten-Spirale: 31 Krankenkassen teurer, nur eine billiger - DER SPIEGEL
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Kosten-Spirale 31 Krankenkassen teurer, nur eine billiger

Während Regierung und Union über die Gesundheitsreform debattieren, sind allein Anfang Juli 14 Krankenkassen teurer geworden, zahlreiche andere haben ihre Beiträge in den vergangenen sechs Monaten erhöht. Einige Kassen robben sich bedrohlich nah an einen Satz von 16 Prozent heran.
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Berlin - Inzwischen hat der durchschnittliche Beitrag aller Kassen bei 14,4 Prozent einen neuen Kosten-Rekord erklommen. Zum Jahresende, fürchten Experten, könnten die 15 Prozent erreicht sein - trotz des von der Bundesregierung verhängten Beitragsstopps. Selbst der Sozialexperte Bert Rürup warnte jüngst: "Ich fürchte, 14,4 Prozent werden nicht das Ende der Fahnenstange sein."

Am Dienstag wurde unterdessen bekannt, dass allein zum 1. Juli 14 Betriebskrankenkassen ihre Beiträge erhöht haben. Insgesamt hätten seit der letzten Beitragswelle Anfang Januar 31 gesetzliche Kassen ihre Sätze angehoben, berichtet der Brancheninformationsdienst "dfg".

Von den Erhöhungen seien rund 480.000 der etwa zehn Millionen BKK-Versicherten betroffen, sagte ein Sprecher des BKK-Bundesverbandes in Berlin. Bei den genannten 14 BKK handele es sich um zwölf allgemein zugängliche Kassen und zwei geschlossene, die auf die Mitarbeiter bestimmter Unternehmen beschränkt sind.

Den größten Beitragssatzsprung habe die BKK Enka von 11,8 auf 13 Prozent gemacht, erklärte der Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Die Kasse verfügt allerdings nur über rund 10.000 Mitglieder. Von den größeren Kassen erhöhte die Audi BKK, die rund 134.000 Mitglieder zählt, ihren Beitragssatz um 0,9 Prozentpunkte auf 13,8 Prozent.

Im ersten Halbjahr schwamm nur eine einzige Krankenkasse gegen den Strom: Die BKK Melitta Plus senkte ihre Beiträge um 0,2 Punkte auf 13 Prozent. Ein Sprecher sagte, dies sei unter anderem dank einer "günstigen Verwaltungskostenstruktur" möglich gewesen.

Seit Ende vergangener Woche bemühen sich Regierung und Opposition in einer Konsensrunde, eine Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen, mit der die Beitragssätze auf 13 Prozent gedrückt werden können. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen kommen die Verhandlungen gut voran. Über den Inhalt der Gespräche wurde aber Stillschweigen vereinbart.

Für die zweite Jahreshälfte lassen die jüngsten Beitragssteigerungen indes nichts Gutes erahnen. "Wenn der Arbeitsmarkt über Nacht nicht plötzlich eine Wende erlebt und wir nicht schnell eine Gesundheitsreform bekommen, ist ein weiterer Anstieg der Beitragssätze bei den gesetzlichen Krankenkassen unvermeidbar", sagte der Sprecher des IKK-Bundesverbandes, Joachim Odenbach.

Auch der Sprecher des BKK-Bundesverbandes, Florian Lanz, will nicht ausschließen, dass es bis Jahresende noch einzelne Beitragserhöhungen gibt: "Die Kassen stehen unter Druck." Eine Welle von Beitragserhöhungen sei aber nicht in Sicht.

Schon jetzt liegen die BKK Berlin und die IKK Bayern, Deutschlands teuerste Krankenkassen, mit 15,7 Prozent nahe an der 16-Prozent-Grenze. Dicht dahinter folgen die Berliner AOK mit 15,5 und die Mitteldeutsche BKK mit 15,3 Prozent. Ebenfalls über der 15-Prozent-Marke liege n die DAK, die Hamburg-Münchner, die IKK Bremen und Bremerhaven, die IKK Hessen und die BKK Braunschweig (alle 15,2 Prozent).

Deutschlands günstigste Kassen liegen immer noch weit unter dem Durchschnitt. Dies sind jetzt die BKK Essanelle Hair Group und die Taunus BKK mit je 11,9 Prozent.