KPMG: Holzmann-Prüfer am Pranger - DER SPIEGEL
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KPMG Holzmann-Prüfer am Pranger

Der Fall Holzmann könnte ein neues Kapitel in der Wirtschaftskriminalität eröffnen. Mit KPMG steht erstmals eine renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der Gefahr, sich in Deutschland strafrechtlich verantworten zu müssen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Für die Frankfurter Staatsanwälte gibt es zumindest Anhaltspunkte, dass Mitarbeiter der KPMG Konzernabschlüsse des Baukonzerns testiert haben, obwohl notwendige Wertberichtigungen und Rückstellungen nicht vorgenommen worden waren. Der Vorwurf geht sogar so weit, dass dies den Abschlussprüfern bekannt gewesen sei. Damit war auch die Basis gelegt, mit frisierten Bilanzen ohne erkennbare Milliarden-Risiken neue Kredite bei den Banken abzuholen.

Die KPMG war seit Beginn der Beinahe-Pleite des Frankfurter Bauriesen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Aber selbst auf der außerordentlichen Hauptversammlung Ende Dezember versicherte der Aufsichtsratsvorsitzende Carl von Boehm-Bezing, zugleich Vorstand der Deutschen Bank: "Eine Öffnung früherer Jahresabschlüsse ist nicht erforderlich. Die Bestätigungsvermerke der KPMG für die Vorjahre stehen ... nicht in Frage."

Aktenstudium bestätigte Verdacht

Nach der Lektüre der ersten 30 Aktenordner, mit denen der Holzmann-Vorstand seine Anzeige gegen frühere Vorstandsmitglieder unterlegte, sind die Spezialisten des Bundeskriminalamtes offensichtlich zu einem anderen Urteil gekommen. Deshalb fuhren die Staatsanwälte am Donnerstag auch bei der KPMG vor, um weiteres Beweismaterial zu sichern.

Dabei ist die Ausgangslage für Wirtschaftsprüfer ohnehin prekär. Sie stehen immer in einem schwierigen Interessenkonflikt. In kritischen Fällen müssen sie ihren Auftraggeber dazu bringen, eine notwendige Risikovorsorge zu bilden und in den Bilanzen Farbe zu bekennen. Allzu heftiges Drängen kann allerdings rasch mit dem Verlust der Geschäftsbeziehungen enden. Dabei geht es häufig nicht nur um die Jahresabschlüsse, sondern um einen Rattenschwanz zusätzlicher Aktivitäten wie Steuerberatung und juristische Vertretung.

Hinzu kommen die verschärften Konkurrenzbedingungen, die mittlerweile schon in Dumping-Angeboten ausarten. Dies könne aber "nur zu einer Prüfung minderer Qualität und zu einem Testat ohne Wert" führen, moniert etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson. Nach Darstellung ihres Deutschland-Chefs tritt die Konkurrenz teilweise mit Gebührensätzen von 1200 Mark pro Mann und Tag an. Dabei gelten Sätze zwischen 2000 und 2500 in der Branche als Faustregel.

Milliardenverluste wurden verschleiert

Ganz schwierig wird es, wenn mit krimineller Energie versucht wird, dubiose Tatbestände zu verschleiern. Bei Holzmann wurden Milliarden-Verluste bereits seit Anfang der 90er Jahre systematisch versteckt. Dazu wurde eine schweizerische Gesellschaft benutzt, bei der die Philipp Holzmann AG allerdings mit weniger als 50 Prozent engagiert war. Deshalb brauchte sie nicht in den Bilanzen des Konzerns aufzutauchen.

Erste Unregelmäßigkeiten fielen im Spätsommer 1995 auf. Die Aussagen des Holzmann-Vorstandes über die Verschuldung des Konzerns wiesen damals erhebliche Widersprüche zu parallel erstellten Berichten der Bundesbank über die Schuldensituation auf. Das hohe Minus ergab sich im wesentlichen aus Projektgeschäften, die über die schweizerische Vebau/Vebag-Gruppe abgewickelt worden waren.

Auch die interne Revision bei Holzmann stieß 1995 schon auf dubiose Immobiliengeschäfte mit drohenden Verlusten in der Größenordnung von einer Milliarde Mark. Als ihr Leiter darüber berichten wollte, wurde ihm die Kompetenz für die entdeckten Fälle entzogen.

Wolf Pampel