Krankenversicherung DKV bittet Kunden um Kredit
Hamburg - Grund für die Aktion ist die Umstellung auf ein neues IT-System und die Furcht vor einem dadurch entstehenden Bearbeitungschaos, berichtet die "Financial Times Deutschland". Wenn Versicherte der Deutschen Krankenversicherung (DKV) ihre Arzt- oder Zahnarztrechnungen bis September oder Oktober dieses Jahres liegen lassen, winkt ihnen ein Einkaufsgutschein der Karstadt-Gruppe in Höhe von 25 Euro als Belohnung. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das der "FTD" vorliegt.
Die DKV ist der zweitgrößte private Krankenversicherer (PKV) in Deutschland. Sie ist Teil der Ergo-Gruppe und damit der Münchener Rückversicherung. Ergo, zu der auch Hamburg-Mannheimer, Victoria und DAS gehören, hat in den vergangenen Jahren die gesamte IT umstrukturiert. Die verschiedenen Gesellschaften werden nach und nach auf ein einheitliches System umgestellt.
Bei der Hamburg-Mannheimer hatte das bereits zu einem erheblichen Bearbeitungsrückstand und zu Unmut bei Kunden und Mitarbeitern geführt. Dem will die DKV offenbar vorbeugen. Sie hat einen Teil ihrer Kunden über die interne Umstrukturierung informiert und sie darauf hingewiesen, dass es zu Verzögerungen in der Bearbeitung kommen kann.
"Sie können uns helfen, unser Serviceniveau so schnell wie möglich wieder zu erreichen - vor allem durch das Sammeln von Rechnungen", heißt es in dem Brief. Ihn erhielten rund 360.000 der 800.000 Vollversicherten der DKV. Hinzu kommen 80.000 Vollversicherte der Victoria. Im Schnitt werden bei der DKV pro Tag 15.000 bis 20.000 Rechnungen bearbeitet. Grob geschätzt sind es vier Millionen pro Jahr.
In der Übergangsphase müssten sich die Mitarbeiter erst noch in das neue IT-System einarbeiten, sagte ein DKV-Sprecher zu SPIEGEL ONLINE. Die Bearbeitungsvorgänge dauerten deshalb etwas länger. "Wir wollten nicht, dass unsere Kunden von Verzögerungen überrascht werden", sagte der Sprecher. Deshalb habe man sich entschieden, die Kunden "pro-aktiv und offen zu informieren". Dies sei "die beste denkbare Form von Verbraucherschutz".
wal