Kranker Autokoloss General Motors degradiert zwei Top-Kräfte
Detroit - Wagoner übernimmt die Zuständigkeit für das Nordamerikageschäft von Lutz und Gary Cowger. Beiden würden neue Aufgaben zugewiesen, hieß es. So werde Lutz sich künftig weltweit um die Produktentwicklung kümmern können, Cowger um die Produktion und Personalmanagement in den Werken. Das US-Geschäft war im vierten Quartal 2004 für rund 70 Prozent der GM-Umsätze verantwortlich.
David Healy, Analyst bei Burnham Securities, sagte zu der Personalentscheidung: "So etwas macht man nur, wenn man in einer Krise steckt."
Wagoner wird von den Großaktionären des Unternehmens unter Druck gesetzt, damit er bald eine Antwort auf die Konzernkrise findet. GM muss im härter gewordenen Wettbewerb mit Ford und Chrysler bestehen und hatte unlängst davor gewarnt, im ersten Quartal werde ein Verlust anfallen. Vor allen die Geländewagen (SUVs) des Unternehmens, die einen großen Teil der Profite einspielen, verkaufen sich schlechter als erhofft. Die Verkäufe lagen im März 3,8 Prozent unter den Vorjahreswerten.
Karriere bei den großen Drei
Wagoner ließ mitteilen: "Angesichts der Herausforderungen, denen wir in Nordamerika gegenüberstehen, macht es für mich Sinn, die Kontrolle des Tagesgeschäfts von GM in Nordamerika zu übernehmen, und so die Kommunikations- und Entscheidungswege zu verkürzen."
Lutz ist weiterhin Vizechef des Boards bei GM. Er hatte seine Automanager-Karriere bei Ford begonnen und unter anderem in den siebziger Jahren die Ford Werke Köln geleitet. In den neunziger Jahren führte er gemeinsam mit Bob Eaton den Konzern Chrysler zu neuen Höhen und half, die Modellpalette der Nummer drei auf dem US-Automarkt zu modernisieren. Kurz nach der Übernahme durch DaimlerBenz verließ Lutz den Konzern. Nach einem Intermezzo bei einem Batteriehersteller ging er 2001, schon 69-jährig, zu General Motors.