Kreditklemme: Neuer BDI-Chef attackiert Banken - DER SPIEGEL
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Kreditklemme Neuer BDI-Chef attackiert Banken

In der Industrie liegen die Nerven blank: Ihr künftiger Verbandschef Keitel übt öffentlich und ungewöhnlich deutlich Kritik an den Banken. Ihre knauserige Kreditvergabe mache die Wirtschaftskrise noch schlimmer. Ganz ähnlich äußert sich der Chef von Bosch.
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Hamburg - Der Druck auf die Deutschen Banken steigt: Weil sich die Institute offenbar weiter mit der Kreditvergabe zurückhalten, attackiert der künftige Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, die Finanzbranche.

Bosch-Mitarbeiter: Zögerliche Kreditvergabe unter hohen Auflagen

Bosch-Mitarbeiter: Zögerliche Kreditvergabe unter hohen Auflagen

Foto: DPA

Keitel, der zum Jahreswechsel Jürgen R. Thumann an der Spitze des Industrieverbandes ablösen wird, warf den Banken am Donnerstag bei einer Tagung der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) vor, die Wirtschaftskrise durch restriktive Kreditvergabe zu verschärfen. "Es ist nicht zu tolerieren, wenn sich der Finanzsektor vorwiegend mit sich selbst beschäftigt, die Hilfen entweder gar nicht in Anspruch nimmt oder sich mit Hinweis auf das mangelnde Vertrauen untereinander weigert, sie zu vernünftigen Konditionen in den Wirtschaftskreislauf zu geben", sagte Keitel laut Redemanuskript.

Ähnlich äußerte sich Franz Fehrenbach, Chef des Autozulieferers Bosch. Er nannte es besorgniserregend für die Autobranche, dass die Banken bei der Kreditvergabe übervorsichtig agierten. "Es ist eindeutig feststellbar, dass in der Autoindustrie Kredite ganz zögerlich und mit hohen Aufschlägen vergeben werden", sagte Fehrenbach.

Die zögerliche Kreditvergabe der Banken beschäftigt auch die Bundesregierung. Kanzlerin Angela Merkel hatte am Dienstag erklärt, dass eine Kreditklemme das mögliche Wachstum der Realwirtschaft in Deutschland zunichte machen könnte. Dadurch könnte es zu einer Verschärfung der Wirtschaftskrise kommen, warnte sie. Mit dem Rettungspaket der Bundesregierung sei die Funktionsfähigkeit der Banken noch nicht wiederhergestellt, weil das Vertrauen untereinander im Finanzsektor fehle.

Auch die EU reagiert auf die Kreditblockade der Banken. Die Mitgliedstaaten sollen strauchelnden Unternehmen in der Krise rasch und unbürokratisch zur Seite stehen können. Wie schon im Bankenbereich lockerte die EU-Kommission dazu die Vergaberegeln für Staatsbeihilfen an Firmen. So müssen die Mitgliedstaaten künftig in vielen Fällen staatliche Hilfsaktionen nicht mehr einzeln zur rechtlichen Überprüfung in Brüssel . Beihilfen müssten gezielt eingesetzt werden, um angesichts der drohenden Kreditklemme vor allem bei kleineren Unternehmen Finanzierungsengpässe zu verhindern, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Mittwoch in Brüssel.

Experten und Regierung geben sich pessimistisch

Tatsächlich kommen auf die Unternehmen schwere Zeiten zu. Zahlreiche Experten und auch die Bundesregierung selbst rechnen für die Wirtschaft mit einem schweren Jahr 2009.

Der Abschwung dürfte sich Erwartungen der Regierung zufolge zum Jahresende beschleunigen. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts habe sich im vierten Quartal aller Voraussicht nach verstärkt fortgesetzt, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in seinem Monatsbericht mit. "Die Perspektiven für die Weltkonjunktur bleiben vorerst gedämpft. Damit hat sich auch der Ausblick für die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft weiter eingetrübt", heißt es darin.

Die internationale Unternehmensberatung Boston Consulting Group prophezeit einen "tiefen und anhaltenden Abschwung" in Europa und den USA. Die Wirtschaft leide unter drei Krisen gleichzeitig, erklärte BCG-Seniorpartner Daniel Stelter.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,5 bis 2 Prozent. Die Prognosen seien derzeit wegen der dynamischen Veränderungen sehr unsicher, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Donnerstag. "Klar ist: Wir kommen an einer merklichen Schrumpfung 2009 nicht vorbei." Im November war das arbeitgebernahe Institut noch von einem Rückgang um knapp 0,5 Prozent ausgegangen.

Nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wird die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr vermutlich um 1,9 Prozent schrumpfen. Das wäre das stärkste Minus in der Geschichte der Bundesrepublik. "Die Konjunktur- und Finanzkrise trifft Deutschland besonders hart, weil weltweit der Investitionsaufschwung gestoppt und die deutsche Wirtschaft damit trotz hoher Wettbewerbsfähigkeit an ihrer exponiertesten Stelle getroffen wird", schrieben die Experten.

Bereits jetzt hat sich die Stimmung in der Wirtschaft merklich abgekühlt. Der Geschäftsklimaindex sei von 85,8 Punkten im Vormonat auf 82,6 Punkte eingebrochen, teilte das Münchener Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in München mit. Auf einem ähnlich tiefen Stand habe das Konjunkturbarometer zuletzt in der zweiten Ölkrise Ende 1982 gestanden, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Experten hatten im Schnitt einen deutlich geringeren Rückgang des Ifo-Index auf 84,0 Punkte erwartet.

suc/dpa-AFX/AP/Reuters/dpa

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