Kreditverträge: "Neue Form des Wuchers" - DER SPIEGEL
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Kreditverträge "Neue Form des Wuchers"

Die Verbraucherzentralen warnen: Die Banken in Deutschland gingen bei Vergabe von Krediten zunehmend kundenfeindlich ans Werk, heißt es in einer neuen Studie, die auch Namen besonders "unverantwortlich" agierender Banken nennt. Der Bankenfachverband zeigt sich empört.
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Berlin – Die sogenannten Kopplungsgeschäfte bei Ratenkreditverträgen seien eine "neue Form von Kreditwucher" - so lautet der Vorwurf der deutschen Verbraucherzentralen an die Banken. Bei solchen Krediten würden Kunden systematisch zum Abschluss teurer Kreditausfallversicherungen gedrängt, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) in Berlin unter Berufung auf eine eigene Umfrage mit.

Die Verbraucherschützer hatten in den vergangenen Monaten 250 Bankkunden nach ihren Erfahrungen bei der Kreditvergabe befragt. Laut vzbv liegen derzeit 200 eidesstattliche Versicherungen vor, die belegen, dass in mehr als der Hälfte der Fälle der Kredit ausdrücklich vom gleichzeitigen Abschluss einer sogenannten Restschuldversicherung (RSV) abhängig gemacht wurde. Von diesen Fällen seien 61 Prozent auf die Citibank entfallen. Auch die HypoVereinsbank, die frühere Norisbank und die Santander Consumer Bank seien in diesem Zusammenhang negativ aufgefallen. Die vzbv-Chefin Edda Müller sprach von einer "Praxis mit System".

Dem widersprach der Bankenfachverband "aufs Schärfste". Die Umfrage sei nicht repräsentativ und verdrehe die Realität der Kreditvergabe, sagte der Verbands-Geschäftsführer, Peter Wacket. In Deutschland würden pro Jahr rund elf Millionen Kreditverträge geschlossen. Davon würden rund 98 Prozent problemlos beglichen. Bei den von den Verbraucherzentralen untersuchten 250 Verträgen handele es sich offenbar nur um solche Verträge, bei denen Kunden ihren Kredit nicht zurückzahlen konnten, mutmaßte Wacket.

Der Bankenfachverband verwies auf die steigende Zahl an Privatinsolvenzen. In diesem Zusammenhang sei es "geradezu unverantwortlich" dem Verbraucher von einer Restschuldversicherung abzuraten, hob Wacket hervor. Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit und Tod gehörten zu den wichtigsten Ereignissen, die zur Überschuldung eines Verbrauchers führten, rechtfertigte er die RSV.

Streitpunkt zwischen den Verbraucherschützern und den Banken ist die Frage, ob der Kreditvertrag an den Abschluss einer RSV gekoppelt ist. Sollte das zutreffen, müssten die Institute nach Ansicht des vzbv die Versicherungskosten in den Effektivzins einrechnen. Die Kostenbelastung der Kredite könne dann bei mehr als 40 Prozent pro Jahr liegen.

Bereits vor rund zwei Wochen hatte die Stiftung Warentest die Kreditberatung bei Banken bemängelt und dabei insbesondere den Verkauf häufig unnötiger Kreditversicherungen gerügt. Bei 13 untersuchten Kreditinstituten hatte es 5 ausreichende und 2 mangelhafte Beratungen gegeben. Bei einer Bank hätte ein Kunde für einen 5000-Euro-Kredit statt des angegebenen Effektivzinses von 11 Prozent durch eine RSV 23 Prozent Zinsen im Jahr zahlen müssen.

Thomas Badtke, ddp