"Krieg und Terror"-Risiko Airlines lehnen Angebot ab
Frankfurt am Main - Jedes Flugzeug könne von Freitag an mit einer Deckung von 150 Millionen Dollar (315 Millionen Mark/161 Millionen Euro) versichert werden, sagte eine Sprecherin des Luftpools, einem Zusammenschluss von 65 Erst- und Rückversicherern, am Dienstag in München.
Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Luftfahrt-Unternehmen (ADL), Detlef Winter, sagte, von einer Einigung könne nicht die Rede sein. Das Angebot sei ein "Skandal", sagte der Geschäftsführer: "Das können die sich an den Hut stecken." "Mit 150 Millionen Dollar Deckungssumme können wir ebenso wenig fliegen wie mit 50 Millionen." In der ADL sind die sechs großen Charterfluggesellschaften, unter anderem Condor und Hapag-Lloyd organisiert.
Bislang waren Flugzeuge bei den Drittschäden nach Terroranschlägen mit einer Milliarde US-Dollar versichert. Nach den Anschlägen in den USA vor zwei Wochen hatten Versicherungen in vielen Ländern die Klausel gekündigt. Neben der Bundesregierung haben auch andere Ländern inzwischen für eine Übergangszeit eine Staatshaftung übernommen.
Erste Maschinen, bei denen die Versicherungsdeckung von bislang einer Milliarde Dollar in der Nacht zum Dienstag auslief, hätten nur verspätet starten können, sagte Winter. Die Bundesregierung habe buchstäblich in letzter Minute in einem entsprechenden Schreiben auch rechtlich verbindlich die Übernahme der Haftung erklärt. Bei einer geleasten Maschine aus dem griechischen Heraklion habe der britische Eigentümer auf die Bestätigung aus Berlin bestanden.
Zur Aufrechterhaltung des Flugverkehrs in Deutschland hat die Bundesregierung unterdessen ihre Haftungsgarantie vorübergehend auf Flughäfen ausgedehnt. Damit übernehme der Staat vier Wochen lang die Haftung für Kriegs- und Terrorschäden bei Fluggesellschaften und Flughäfen in Deutschland, sagte Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) am Dienstag in Frankfurt. Danach solle es wieder privatwirtschaftliche Lösungen geben. Neben den Fluggesellschaften waren auch den Flughäfen diese Versicherungsverträge gekündigt worden.
"Es bleibt kein einziges Flugzeug am Boden aus Versicherungsgründen", sagte Bodewig. Die Haftungsgarantie umfasse 20 Milliarden US-Dollar (21,5 Milliarden Euro). Damit und mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen solle das Vertrauen in die zivile Luftfahrt gestärkt werden. "Sicherheit hat für uns ganz hohe Priorität."