Kriegshausse Jeder Vorstoß ein Prozentpunkt
Paris - "Nach Meldungen, wonach sich irakische Einheiten um die Stadt Basra in großer Zahl ergeben, macht sich so etwas wie Erleichterung an der Börse breit", sagte SEB-Händler Christian Glowig am Freitag. Die Märkte rechneten nun mit einem schnellen Ende der Kriegshandlungen. Am Morgen hatten zudem unbestätigte Meldungen, die Brände auf den Ölfeldern im Irak seien bereits unter Kontrolle die Märkte nach oben gezogen.
Die feste Tendenz an der Wall Street beschleunigte den Aufwärtstrend. Bis 17 Uhr kletterte der Dow Jones um 0,9 Prozent auf 8362 Punkte, während der Technologieindex Nasdaq Composite 0,7 Prozent zulegte. Der Dax baute daraufhin seine Gewinne zeitweise auf mehr als vier Prozent aus und überwand die Marke von 2700 Punkten. Um 17 Uhr notierte der Index bei 2706 Punkten.
Die kräftige Kurserholung habe alle Branchen erfasst, sagte ein Händler. Zu den größten Gewinnern im EuroStoxx 50 gehörten Titel wie Aegon aber auch ING Groep, die sich von den gestrigen Kursverlusten erholten und um 6,40 Prozent auf 12,13 Euro stiegen. Auch die Allianz-Titel, die am Vortag wegen einer massiven Kapitalerhöhung rund zehn Prozent nachgegeben hatten, schoben sich zuletzt deutlich ins Plus.
Ölwerte zeigten sich einen Tag nach Meldungen über brennende Ölfelder und trotz eines rückläufigen Ölpreises im Plus: Das Papier des französischen Unternehmens TotalFinaElf stieg um 3,18 Prozent auf 123,20 Euro. Die Aktien der Royal Dutch Petroleum kletterten um 2,48 Prozent auf 38,85 Euro. Die Papiere der spanischen Repsol-YPF gewannen 3,03 Prozent auf 13,60 Euro.
Der Rückgang des Ölpreises hat sich am zweiten Tag des Irak-Kriegs nach einer kurzen Gegenbewegung im frühen Handel fortgesetzt. Um 10.35 Uhr kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Liefertermin Mai 24,97 US-Dollar. Das waren 2,08 Prozent weniger als am Vortag.
Die Aktie des französischen Mischkonzerns Vivendi Universal legte am Freitag erneut zu und stieg um 4,31 Prozent auf 14,29 Euro. Bereits am Donnerstag hatte die Aktie nach dem Rücktritt des Chefs der US-Tochter Vivendi Universal Entertainment, Barry Diller, zugelegt. Am Freitag meldete die "Financial Times", Vivendi habe Banken mit dem Verkauf ihrer Beteiligung an Maroc Telecom beauftragt. Das hochverschuldete französische Unternehmen erhoffe sich einen Erlös von 1,6 Milliarden Euro, hieß es.