Kriminalität "Schlimmster PIN-Code-Diebstahl aller Zeiten"
Hamburg - Die Ermittler in den USA sind einem Fall auf die Spuren gekommen, der es in sich haben könnte: Betrügern ist es gelungen, sich mit gefälschten Geld- und Kreditkarten ohne Umwege Bargeld an Automaten zu besorgen. Berichten zufolge sind mehrere Banken deshalb gezwungen, aus Sicherheitsgründen mehrere Hunderttausend Karten in den USA auszutauschen.
Wie jetzt bekannt wurde, verhaftete die Polizei im Bundesstaat New Jersey in den vergangenen zwei Wochen 14 US-Bürger, die im Verdacht stehen, die Duplikate der Karten hergestellt und Konten in aller Welt leer geräumt zu haben.
Den Ermittlern zufolge wurden die Daten aus den Rechnern mehrerer Firmen gestohlen, darunter dem Büromaterial-Händler OfficeMax. Ein Informant habe der Polizei den Hinweis auf die Verhafteten gegeben. Der Kopf der beschuldigten Gruppe war bereits im Dezember festgenommen worden. Auf sein Konto gehen mehrere Fälle von Kreditkartenbetrug.
"Die Diebe haben auch den Schlüssel gestohlen, der zur Entschlüsselung der PIN-Codes erforderlich ist", schreibt Avivah Litan, Sicherheitsexpertin der US-Technologieberatung Gartner, auf der Firmenhomepage. Litan kritisiert, dass Händler die Daten nicht ausreichend vor Hackern schützten. Beim aktuellen Fall handele sich um den "schlimmsten Kartenmissbrauch aller Zeiten", zumindest aber um den "bis heute größten PIN-Code-Diebstahl".
Kundenbeschwerden bei der Citibank
Angaben über die Zahl der Betroffenen gibt es nicht. Kreditkartenunternehmen und Banken in den USA halten sich mit Informationen zurück. Bekannt geworden war der Fall, weil sich mehrere Kunden in den USA bei der Citibank beschwert hatten, weil sie kein Geld an Automaten abheben konnten. Die Bank räumte vergangene Woche daraufhin ein, dass PIN-Nummern gestohlen und zahlreiche Karten daher gesperrt worden seien. Zudem wurden PIN-basierte Banktransaktionen in Kanada, Russland und Großbritannien unterbunden.
Auch die Kreditkartenunternehmen Visa und MasterCard teilten mit, dass sich die Betrugsfälle häuften. Betroffen sind darüber hinaus mehrere US-Banken. Weil auch in Rumänien, Spanien und Pakistan illegal Geld abgehoben wurde, gehen die Ermittler von einem größeren Betrügerring aus.
Sicherheitsexpertin Litan rechnet damit, dass die bekannt gewordenen Fälle von leer geräumten Konten nur die Spitze des Eisbergs sind. Die Bankenbranche habe die Sache "nicht einmal zur Hälfte" überstanden, sagt Litan.
kaz