Kriselnde Kleinstwagen Liebeswerben um Smart
Stuttgart - Vom fernen Detroit aus betrieb Dieter Zetsche Schadensbegrenzung. Ein Verkauf von Smart sei kein Thema, erklärte er heute nach Angaben eines Sprechers. Smart sei offen für Partnerschaften - mehr stehe nicht zur Debatte.
Zetsche und sein Kommunikationsteam bemühen sich damit, die Aufregung zu beenden, die ein Artikel auf der Titelseite der "Financial Times" am Morgen ausgelöst hatte. Dort wurde der Daimler-Chef mit den Worten zitiert: "Wir haben interessierten Parteien mitgeteilt, dass sie Goldman Sachs kontaktieren sollen." Es könne sich nicht nur um eine Kooperation handeln, sondern auch um einen Kauf von Smart.
Dieses Interview musste so wirken, als lade Zetsche ganz aktiv Interessenten ein, möglichst schnell noch Gebote abzugeben. Alles ein Missverständnis, heißt es nun von Daimler: Goldman solle den Interessenten lediglich erklären, dass ein Verkauf von Smart kein Thema sei.
Zweifel an dieser Darstellung sind angebracht: In der "FT" hieß es jedenfalls, die Investmentbanker seien bereits "aktiv" auf der Suche nach Käufern. Dies deckt sich mit einem früheren Bericht des "manager magazins". Daimler scheint auch schon tatsächlich erste Kaufangebote für die defizitäre Kleinwagenmarke erhalten zu haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa, die sich auf Konzernkreise beruft.
Plan A und Plan B
Angesichts der hohen Verluste von Smart würde Daimler wohl bei einem Verkauf keinen besonders hohen Preis erzielen. Gut möglich also, dass Zetsche und seine Manager noch ein paar Monate lang versuchen, Smart aus eigener Kraft zu sanieren. Ein milliardenschweres Restrukturierungsprogramm für die Marke, die seit 1998 mehrere Milliarden Verlust angehäuft hat, gibt es schon seit April 2005. Jeder dritte Arbeitsplatz bei Smart wurde abgebaut.
Spätestens 2007 werden die Daimler-Manager wohl die Geduld verlieren - bis dahin, so das erklärte Ziel, soll Smart die Gewinnzone erreicht haben. Zetsche sagte in Detroit, dass bislang die Restrukturierungsziele erfüllt worden seien.
Scheitert der Sanierungsplan dennoch, könnte ein Plan B in Kraft treten - und Smart doch noch voll und ganz an einen Konkurrenten verramscht werden, aller Dementis aus Detroit zum Trotz.