Kriselnder Konzern: Eigentümer wollen Arcandor mitretten - DER SPIEGEL
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Kriselnder Konzern Eigentümer wollen Arcandor mitretten

Aktienpakete als Sicherheit für den 650-Millionen-Euro-Kredit: Die beiden Großaktionäre von Arcandor wollen die Rettung des Handelsgiganten einem Zeitungsbericht zufolge jetzt mit eigenem Einsatz unterstützen. Die Politik streitet trotzdem, ob der Konzern Staatshilfe verdient.
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Hamburg - Die Eigner der Karstadt-Mutter Arcandor wollen sich stärker an einer Rettung des angeschlagenen Konzerns beteiligen. Denkbar sei, dass die Familien Oppenheim und Schickedanz ihre Aktienpakete als Sicherheit für einen benötigten Kredit von 650 Millionen Euro bereitstellten, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Mittwoch unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Die beiden Familien besitzen jeweils rund 30 Prozent der Arcandor-Anteile. Derzeit verhandelt Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen dem Bericht zufolge mit der Bundesregierung aber noch über verschiedene Wege für ein Engagement der beiden Eigner-Familien.

Arcandor-Zentrale in Essen: Sicherheiten von den Großaktionären

Arcandor-Zentrale in Essen: Sicherheiten von den Großaktionären

Foto: AP

Arcandor hat eine Staatsbürgschaft über 650 Millionen Euro beantragt. Mit einer größeren Beteiligung an der Rettung würden die Eigentümer Forderungen der SPD erfüllen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hatte in der "Passauer Neuen Presse" gefordert, die Eigentümer müssten "klipp und klar sagen, welchen Beitrag sie zur Lösung leisten werden". Zugleich betonte er: "Der Staat muss diesen Prozess aktiv begleiten und dafür sorgen, dass die Rechte der vielen tausend Arbeitnehmer nicht auf der Strecke bleiben." Es sei zwar nicht die Aufgabe des Staates, "für Manager-Versagen aufzukommen". Die Frage sei aber, ob das "jetzt die Verkäuferinnen an der Kasse ausbaden" sollten.

Auch SPD-Bundestagsfraktionsvize Joachim Poß hatte an die Eigenverantwortung der Unternehmer appelliert. "Wir wollen helfen, aber dazu müssen auch die Arcandor-Eigentümer ihren Beitrag leisten", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

SPD-Chef Franz Müntefering sprach sich generell für Staatshilfen für angeschlagene Unternehmen aus. Auch Arcandor sollte der Staat unter die Arme greifen. "Ich bin dafür, dass wir auch in dem Fall eine Rettung versuchen", sagte er dem Magazin "Stern". Es gehe darum, dass der Karstadt-Mutterkonzern Zeit gewinne, um sich zu stabilisieren.

Westerwelle und Meyer gegen staatliche Hilfen

"Es ist sehr viel besser, finanzielle Bürgschaften zu geben, Arbeitsplätze zu retten, Kurzarbeit zu finanzieren - für die Menschen persönlich, für die Wirtschaft und die Stimmung im Land", sagte Müntefering. "Wenn es eine 51-Prozent-Chance gibt, ein Unternehmen zu retten, dann lasst es uns versuchen." Jeder Arbeitsplatz sei gleich viel wert - der eines Mechanikers bei Opel und der einer Verkäuferin bei Karstadt.

Nach den Regeln des sogenannten Deutschlandfonds, aus dem Firmen Staatshilfen erhalten können, hat ein Anrecht auf Unterstützung nur, wer durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten gekommen ist, nicht durch Missmanagement. Immer wieder hatten Politiker in den vergangenen Tagen ein stärkeres Engagement der Arcandor-Großaktionäre Oppenheim und Schickedanz gefordert.

FDP-Chef Guido Westerwelle lehnt staatliche Hilfen für Arcandor dagegen gänzlich ab und sieht die Eigentümer bei der Rettung des Handelskonzerns selbst in der Pflicht. Zum Beispiel könne durch den Verkauf der profitablen Touristiksparte Thomas Cook Geld beschafft werden, sagte er im Deutschlandfunk. Es sei nicht Aufgabe des Steuerzahlers, "einer Milliardärsfamilie das Vermögen zu retten", betonte er.

Westerwelle kritisierte weiter, die Bundesregierung schaue nur auf die großen Betriebe und lasse die kleinen pleitegehen. "Ich halte das für gänzlich inakzeptabel", sagte er. Am Ende seien alle Großunternehmen gerettet und Deutschland bankrott.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, Laurenz Meyer (CDU), betonte die Unterschiede zum Fall Opel, in dem der Staat sich zu Hilfen entschieden hatte. "Ich möchte schon darauf hinweisen, dass wir bei Opel neue Eigentümer unterstützen mit einem neuen Konzept", sagte der dem "Handelsblatt". "Bei Arcandor würden wir die bisherigen Eigentümer, die die Fehler des früheren Managements zugelassen haben, unterstützen. Arcandor wäre der Dammbruch." Eine Absage an den Konzern zum jetzigen Zeitpunkt schließe aber nicht aus, künftig mit neuen Eigentümern neu über staatliche Hilfen zu sprechen.

Kaufhof-Chef fordert Karstadt zu Gesprächen auf

Karstadt-Chef Stefan Herzberg äußerte am Mittwoch weiter die Hoffnung, Staatshilfen für das Unternehmen zu erhalten. Arcandor habe ein überzeugendes Konzept vorgelegt und führe konstruktive Gespräche, sagte Herzberg, der auch Arcandor-Vorstand ist, im Deutschlandradio Kultur. Der Konzern habe seine Probleme im vergangenen Jahr noch selbst lösen können. Die Staatsbürgschaft sei erst wegen der Kapitalmarktkrise nötig geworden.

"Ich will zunächst mal sagen, dass die 25.000 Arbeitsplätze von Opel genauso wichtig sind wie die 50.000 von Arcandor", sagte der Karstadt-Chef. Die Bundesregierung habe mit dem Deutschlandfonds bestimmte Kriterien festgelegt und er hoffe, dass Arcandor mit seinem Konzept überzeugen könne. "Das ist der einzige Weg, der uns im Moment helfen kann", sagte Herzberg. "Wir haben hier eine Situation, die uns durch die Finanzkrise vom Kapitalmarkt abschneidet." Es handele sich um eine "Sondersituation".

Herzberg betonte, die Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim und die Familie Schickedanz engagierten sich "in einem wirklich vorbildlichen Maße" und prüften ein weiteres Engagement. "Das heißt, nicht nur Belegschaft, nicht nur Management, nicht nur Ver.di, Betriebsräte und die Gesellschafter üben hier den Schulterschluss, sondern auch die über 800.000 Kunden, die uns jetzt schon gesagt haben, per Unterschrift, dass wir Karstadt bleiben sollen."

Der Chef des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof, Lovro Mandac, forderte die Arcandor-Führung derweil auf, Gespräche über die Zukunft von Karstadt aufzunehmen. Ziel der Kaufhof-Mutter Metro ist eine Zusammenführung von Kaufhof und Karstadt in die Deutsche Warenhaus AG. "Es gibt Überlappungen nur in 32 Städten. Das ist nicht viel", sagte Mandac im ZDF-"Morgenmagazin". Berichte über einen drastischen Arbeitsplatzabbau im Fall einer Fusion nannte er "Panikmache".

Mandac sagte, er halte Staatshilfen für Arcandor nicht für erforderlich. "Es gibt genügend privatwirtschaftliche Lösungen, um aus dem Dilemma herauszukommen." Er sei jederzeit zu Gesprächen mit Arcandor bereit.

kaz/AFP/ddp/dpa-AFX/Reuters

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