Krisen-Kodex: Banken bekennen sich schuldig - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Krisen-Kodex Banken bekennen sich schuldig

Schuldeingeständnis der Finanzbosse: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat als Konsequenz der Finanzkrise einen Verhaltenskodex des internationalen Bankenverbands IIF vorgestellt. Ein Frühwarnsystem soll Krisen künftig verhindern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Josef Ackermann fand klare Worte: "Die Finanzbranche erkennt ihre Verantwortung an", sagte er am Donnerstag in Washington bei der Vorstellung eines Verhaltenskatalogs, den der Branchenverband Institute of International Finance (IIF) seit vergangenem Oktober ausgearbeitet hatte.

Damit reagiert der Verband, dem rund 380 Finanzinstitute und Versicherungen aus der ganzen Welt angehören, auf die aktuelle Krise auf den internationalen Finanzmärkten. Ackermann ist Vorsitzender des Verbandes.

Der Deutsche-Bank-Chef empfahl in Namen des IIF, einen gemeinsamen Ausschuss der Geldhäuser als eine Art Frühwarnsystem einzurichten. Ziel sei, "neue, heraufziehende Schwachstellen in den Märkten und im Finanzsystem besser und früher zu erkennen". Außerdem sollen Bankvorstände einen Risikomanager bekommen.

Ackermann erklärte, den Chefs der großen Banken sei bewusst, dass "Aktionen jetzt entscheidend sind". Man sei entschlossen, die Probleme anzugehen und mit künftigen Systemrisiken "besser umzugehen".

Die globale Finanzmisere, ausgelöst durch die Subprime-Krise in den USA, hat das ehemals so mächtige globale Banken-Business tief erschüttert. Dem IIF-Bericht zufolge trieben Managementfehler der Finanzinstitute dazu bei, dass manche Unternehmen der Branche Milliardenverluste erlitten. So seien die Kreditstandards gesenkt worden und damit Kredite an Kunden vergeben worden, die diese nicht zurückzahlen konnten.

Die Krise führte bei manchen Akteuren dazu, dass Investoren wie Kunden trotz aller Beteuerungen der Bankoberen ihr Geld abzogen. Die Abwärtsspirale beschleunigte sich erneut. Nicht selten erfasste reine Panik die Märkte.

Mit dem Verhaltenskodex wollen die Konzerne nun für Ruhe sorgen. "Handelsblatt" und "Frankfurt Allgemeinen Zeitung" hatten vor der Veröffentlichung des Kodex berichtet, dass die Bilanzregeln dahingehend geändert werden, dass Banken künftig hohe Verluste nicht mehr ausweisen müssen. Das IIF machte jetzt deutlich, dass Risiken aus Wertpapieren, die nicht in den Bilanzen auftauchten, transparent gemacht werden sollten.

Zudem nahm das IIF auch die Bezahlung von Bankmanagern in den Verhaltenskodex auf. Demnach sollen nicht nur die Gewinne, sondern auch die Risiken, die die Manager zu verantworten hätten, in die Vergütung einfließen. Abfindungen sollten davon abhängen, ob die Manager ihrem Unternehmen langfristig geschadet hätten oder nicht. Auf diese Weise solle eine allzu große Risikobereitschaft verhindert werden.

Ackermann will keine Selbstregulierung

Die IIF-Vorschläge sind umstritten - Kritiker sehen darin lediglich den Versuch, staatlichen Regulierungsbehörden zuvorzukommen und einer schärferen Kontrolle zu entgehen. Vor allem die neuen Bilanzierungsregeln sorgen für Ärger: Aufsichts- und Regulierungsbehörden wenden sich gegen diese Pläne, weil diese nicht zu mehr, sondern zu weniger Transparenz führen. Verluste würden nicht mehr zum Zeitpunkt ihres Entstehens in den Bilanzen aufgeführt, sondern könnten zu übertriebenen Abschreibungen führen.

Ackermann betonte, die Banken wollten keineswegs eine schärfere staatliche Regulierung verhindern. Es gehe nicht um eine Selbstregulierung der Branche.

Der Verhaltenskodex hatte selbst innerhalb des IIF für Streit gesorgt. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs   bereits am 2. Juni aus dem Verband ausgetreten war. Das Unternehmen hatte keine Gründe für diesen Schritt genannt, zuvor aber bemängelt, eine Umsetzung der IIF-Pläne würde auf Kosten der Transparenz gehen. Von einer "Bilanzierung wie bei Alice im Wunderland" war die Rede. Goldman betonte, man wolle "an dem Grundsatz einer Bewertung zu Marktpreisen festhalten". Das Institut kündigte Berichten zufolge an, einen eigenen Verhaltenskodex auszuarbeiten.

Das IIF wiederum kritisierte den Austritt von Goldman - mehr als 370 Banken seien sich über den Verhaltenskodex einig, nur eine schere aus. Goldman gehört zu jenen Banken, die die Finanzkrise gut überstanden haben. Das Investmenthaus verdiente im zweiten Quartal 2008 netto gut zwei Milliarden Dollar und damit kaum weniger als im Vorjahresquartal. Damit steuerte das Institut unbehelligt durch die Krise an den Finanzmärkten.

kaz/dpa

Mehr lesen über