Krisen-Konzern: Arcandor droht die Zerschlagung - DER SPIEGEL
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Krisen-Konzern Arcandor droht die Zerschlagung

Der Chefsanierer hat aufgegeben, gegen den Ex-Chef der Karstadt-Mutter ermittelt die Justiz und den Konzernsparten bricht das Geschäft weg: Arcandor steht am Abgrund - und nach Informationen des SPIEGEL wird eine Aufspaltung des Unternehmens immer wahrscheinlicher.
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Hamburg - Die Chancen, den angeschlagenen Handels- und Tourismuskonzern Arcandor als Ganzes zu erhalten, werden nach SPIEGEL-Informationen immer geringer. Weil der Gesamtkonzern kaum zu retten sein wird, hat sich auch der Chefsanierer Horst Piepenburg zurückgezogen.

Arcandor-Zentrale in Essen: Finstere Aussichten für den Konzern

Arcandor-Zentrale in Essen: Finstere Aussichten für den Konzern

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa

"Er hat schmerzhaft erfahren müssen, dass Arcandor nicht zu sanieren ist", sagte ein Vertrauter dem SPIEGEL. Offiziell begründet Piepenburg seinen Rücktritt am Donnerstag als Arcandor-Generalbevollmächtigter mit der fehlenden finanziellen Unterstützung des Großaktionärs Sal. Oppenheim. Am vorigen Mittwoch gab es ein Gespräch mit dem Institut. Piepenburg forderte eine Zusage für ein Arcandor-Engagement, das über die für November angesetzte Gläubigerversammlung hinausreicht.

Das Treffen sei erfolglos verlaufen. Die Banker bestreiten das. Die Entscheidung über ein weiteres Engagement sei immer von einem tragfähigen Sanierungskonzept abhängig gewesen - das aber habe Piepenburg nicht vorgelegt. Inzwischen hält auch Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick eine Zerschlagung für möglich. Als "Plan B" hat er Investmentbanken beauftragt, Möglichkeiten für einen Teilverkauf von Karstadt und Primondo auszuloten. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten die Investmentbanken HSBC und Nomura.

Zuletzt war bekannt geworden, dass die Versandsparte Primondo, zu der auch Quelle gehört, Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent verkraften muss. Die Kaufhaussparte Karstadt verzeichnete im Juni Umsatzrückgänge von acht Prozent, der Grund seien nach Auskunft des Unternehmens vor allem "Lücken im Warenbestand".

Derweil unternehmen die Beschäftigten von Arcandor offenbar eigene Bemühungen, den Konzern zu retten. Sie haben einen Insolvenzfachmann als Berater verpflichtet. Eine entsprechende Entscheidung sei bereits vor dem Rückzug Piepenburgs gefallen, berichtete der "Focus". Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Hellmut Patzelt, sagte, dieser Schritt wende sich "nicht gegen den vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und sein Team". Vielmehr nutze man in der schwierigen Lage nur die gesetzlichen Möglichkeiten aus.

Am 15. August trifft sich nach Informationen des SPIEGEL der Gläubigerausschuss von Arcandor zur wohl entscheidenden Sitzung, um über die Zukunft des Essener Konzerns zu beraten.

Arcandor hatte Anfang Juni Antrag auf Insolvenz für den Handels- und Touristikkonzern gestellt, nachdem das Drängen des Konzerns auf Staatshilfe erfolglos geblieben war. Erst im März hatte Eick das Ruder bei der Karstadt-Mutter von Thomas Middelhoff übernommen, gegen den mittlerweile wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt wird.

Die Firmengruppe mit den großen Säulen Karstadt, Quelle und der Mehrheitsbeteiligung am Tourismusunternehmen Thomas Cook hatte im vergangenen Geschäftsjahr noch mehr als 80.000 Menschen beschäftigt. Für die Sanierung benötigt Arcandor frisches Geld, das sich Piepenburg nach Informationen aus Handelskreisen vom 24,9-Prozent-Eigner, der Privatbank Sal. Oppenheim erhofft hatte.

mit Material von ddp

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