Krisenfall Telekom: Vorstandschef Ricke unter Druck - DER SPIEGEL
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Krisenfall Telekom Vorstandschef Ricke unter Druck

Aktionäre der Telekom sind Leiden ja gewöhnt, heute kam es aber besonders schlimm: Nachdem der Konzern seine Geschäftsprognosen drastisch nach unten korrigiert hat, rutscht die T-Aktie steil ab. Konzernchef Ricke sieht sich genötigt, Rücktrittsgerüchte zu dementieren.
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Bonn/Frankfurt am Main - Die Telekom   agiere auf einem Markt, der sich weltweit rapide wandele, rechtfertigte Kai-Uwe Ricke heute die auf ganzer Linie enttäuschenden Halbjahresergebnisse und die gesenkten Prognosen. Er wolle das Unternehmen trotzdem weiter führen, denn in dem Wandel stecke auch eine Chance. "Ich bin bereit und auch der Vorstand ist bereit, diese Chance wahrzunehmen." In Zeitungen war zuvor darüber spekuliert worden, dass Rickes Vertrag im Herbst nicht verlängert werden könnte.

Von den "Chancen" für die Telekom, die Ricke erwähnte, war heute zumindest an der Börse kaum jemand überzeugt. Gegen 13 Uhr notierte die T-Aktie bei 11,09 Euro, ein Minus von 8,20 Prozent. Zeitweise hatte sie sogar auf 10,87 Euro nachgegeben.

Die Telekom hatte am Morgen eingeräumt, dass sie für das kommende Jahr kein Ergebniswachstum mehr erwarte. Bisher war sie von einem kräftigen Plus ausgegangen. Besonders der bisher erfolgreiche Mobilfunk geriet unter Druck und machte im zweiten Quartal erstmals weniger Gewinn als im Vorjahreszeitraum.

Die Telekom will mit Preissenkungen, Investitionskürzungen und einem verschärften Sparkurs gegensteuern. Ricke räumte ein, dass er die Dynamik im Wettbewerb auf dem deutschen Markt falsch eingeschätzt habe. Gleichwohl hält er an dem Ziel fest, die Telekom als Nummer eins in Europa zu positionieren. Der Bonner Konzern habe "unglaublich viele Möglichkeiten, im Wettbewerb um Märkte und Kunden zu gewinnen."

Weniger Investitionen, niedrigere Preise

Im Festnetz gingen der Telekom aber allein im zweiten Quartal 500.000 Anschlüsse verloren. Mehr als zwei Drittel davon gingen an andere Festnetzanbieter, der Rest an Mobilfunkanbieter und Kabelnetzbetreiber. Im Herbst sollen daher neue und günstigere Bündelangebote eingeführt werden. Einstiegsangebote für Telefon und Breitbandanschluss mit Internetzugang soll es für deutlich weniger als 40 Euro im Monat geben. Punkten will die Telekom mit Angeboten für das sogenannte "Triple Play". Ein Angebot startet zum Anpfiff der Bundesliga-Saison am Freitag – aber bisher nur für "ausgewählte Bestandskunden", wie es heißt.

Den Telekom-Managern ist klar, dass sie den Kundenschwund im Festnetzgeschäft damit kurzfristig nicht stoppen kann. "Im dritten Quartal verspreche ich mir noch keine Veränderung des Trends", sagte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick. "Ich hoffe auf ein gutes Weihnachtsgeschäft und Effekte im vierten Quartal."

Auch der Mobilfunk ist zum Sorgenkind geworden. Auf dem stark wachsenden US-Markt gewann T-Mobile nur gut 600.000 und damit weniger neue Kunden als von Analysten erwartet. Ricke betonte aber, dass es sich nur um ein vorübergehendes Tief der Sparte handele, die bislang die Wachstumslok des gesamten Konzerns war.

Nun schwächelt auch das Handy-Geschäft

In Deutschland verzeichnete T-Mobile mit 170.000 Neukunden die schwächste Zunahme unter den vier Netzbetreibern. Das Betriebsergebnis der Sparte sackte um drei Prozent ab und trug mit dazu bei, dass der gesamte operative Gewinn der Telekom ohne Sondereffekte zwischen April und Juni um sieben auf 4,8 Milliarden Euro zurückging. Die Analysten hatten ein viel geringeres Minus erwartet, nachdem es im ersten Quartal noch ein Gewinnwachstum gegeben hatte.

Auch bei T-Mobile sind im Herbst erheblich einfachere und niedrigere Tarife geplant. Durch neue Bündelangebote solle die Telefonminute deutlich weniger als 0,10 Euro kosten.

Die weiteren Aussichten für die T-Aktie sind jedenfalls düster – auch bisher positiv gestimmte Analysten revidieren ihre Empfehlungen. So will die HelabaTrust ihr Anlage-Urteil "Kaufen" nach den enttäuschenden Zahlen und der Prognose-Senkung zurücknehmen. Die Schätzungen würden in jedem Fall revidiert, hieß es in einer Ersteinschätzung. Sämtliche Segmente der Telekom hätten eine "enttäuschende Vorstellung" geboten.

itz/dpa-AFX/Dow Jones/Reuters/ddp

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