Krisengespräch Muss Kirch abdanken?
München - Die KirchGruppe habe bei den Verhandlungen über einen Verkauf des 40-Prozent-Pakets am Springer-Verlag am Wochenende große Fortschritte gemacht, berichtete die "Financial Times Deutschland" ("FTD") unter Berufung auf Beteiligte. Kirch peile dabei einen Verkaufspreis von mehr als einer Milliarde Euro an. An der Börse ist das Paket derzeit rund 800 Millionen Euro wert.
Um einen Einstieg des australischen Medientycoons Rupert Murdoch bei Springer zu verhindern, hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder heimlich mit Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer und mehreren Spitzenmanagern deutscher Medienhäuser getroffen. Als mögliche deutsche Käufer wurden bisher die WAZ-Gruppe, Bertelsmann und Burda genannt. Dagegen wendet sich laut "FTD" aber Friede Springer, die neben der Mehrheit am Verlag auch noch ein Vorkaufs- und Einspruchsrecht bei dem Verkauf der Kirch-Anteile besitzt.
Eine andere Lösung der Kirch-Krise bereiten offenbar die Gläubigerbanken vor. Laut "Handelsblatt" diskutieren sie derzeit darüber, einen Teil ihrer Darlehen in Eigenkapital umzuwandeln. Eine Bedingung der Kreditinstitute ist dem Bericht zufolge der Ausstieg des Firmenpatriarchen. Der 75-jährige Leo Kirch solle mit Hinweis auf seine angeschlagene Gesundheit zurücktreten, habe es in Frankfurter Kreisen geheißen, so die Zeitung.
Die Schulden der KirchGruppe werden auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzt. Auslöser der aktuellen Krise ist eine Forderung des Springer-Verlags über rund 770 Millionen Euro für eine ProSiebenSAT.1-Beteiligung. In den kommenden Monaten werden zudem Kredite der Dresdner Bank und der Bayerischen Landesbank fällig. Im Herbst kann Murdoch etwa 1,6 Milliarden Euro für seine Premiere-Beteiligung von Kirch verlangen.
Der australische Medienmagnat ließ keinen Zweifel daran, dass er sein Geld unnachgiebig zurückfordern werde. Dafür schickte er einen seiner Vertrauten vor: Tony Ball, Chef des britischen Pay-TV-Senders BskyB, der zu Murdochs News Corp. gehört. "Wir haben das Ende der Fahnenstange erreicht", sagte dieser dem "Handelsblatt" und sparte nicht mit Kritik an den Kirch-Managern. Seinen Worten zufolge haben diese beim Aufbau des Pay-TV-Senders Premiere World versagt. Man wolle jetzt nur noch das Geld zurück, ein Interesse an weiteren Kooperationen beispielsweise bei Sportrechten gebe es nicht mehr.
Der Münchener Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte am Montag vor einer Kettenreaktion im Bankenbereich durch die Lage bei der KirchGruppe gewarnt. "Wir haben mit einem Kreditvolumen zu tun, das jeden Rahmen sprengt. Die Landesbank hat sich in einer schwer vertretbaren Weise engagiert, wenn nicht verausgabt", sagte er in einem Interview des Radiosenders F.A.Z. 92,4.
Es müsse möglichst rasch Sicherheit für die gewährten Darlehen geben, "sonst sehe ich die Möglichkeit, dass Bayern eine Bankengeschichte am Hals hat, wie es vor gar nicht allzu langer Zeit in Berlin der Fall war", sagte Ude dem Radiosender. Dies hatte der Vorstandsvorsitzende der BayernLB, Werner Schmidt, trotz eines Kirch-Engagements von 1,9 Milliarden Euro bereits in der vergangenen Woche zurückgewiesen.