Krisengespräche IKB vor neuem Milliardenhilfspaket
Frankfurt am Main - Die Frage ist nicht, ob es eine Stützungsmaßnahme gibt, sondern wer das Geld dafür aufbringt - so zumindest erklärt ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters zufolge die Situation. Seit Tagen gebe es Verhandlungen zwischen der KfW, dem Bundesverband der privaten Banken (BdB) und Politikern.
Im Gespräch seien bis zu zwei Milliarden Euro frisches Kapital, um das Überleben der Bank zu sichern und die Kapitalbasis zu stärken, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine Entscheidung gebe es noch nicht. Neben der staatlichen Förderbank KfW als Haupteigentümerin der IKB sollten die privaten Banken wieder mit ins Boot geholt werden, hieß es. KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier habe die IKB-Krise in dieser Woche auch mit dem Wirtschafts- und Finanzministerium sowie dem Kanzleramt besprochen. Die KfW, die IKB und der BdB wollten sich nicht äußern.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist seit Anfang des Jahres Verwaltungsratschef der KfW, die zu 80 Prozent dem Bund und zu 20 Prozent den Ländern gehört. Der Bund lehne mögliche Hilfen für die IKB weiterhin strikt ab, sagten mehrere Personen. Schon einmal hatte die an bestimmte Förderzwecke gebundene KfW den Bund um Unterstützung bei der IKB-Rettung gebeten. "Die Hauptadresse wird deshalb nun der BdB sein", hieß es. Bei einer möglichen Insolvenz der IKB müsste der Sicherungsfonds der privaten Banken einspringen.
Am kommenden Mittwoch trifft sich der Verwaltungsrat der KfW. Den Kreisen zufolge soll es dabei auch um die Situation der IKB und den bevorstehenden Verkauf gehen. Die KfW will ihren 38-prozentigen Anteil veräußern. Weitere Eigentümer sind die Stiftung Industrieforschung mit zwölf Prozent, die ihre Anteile ebenfalls loswerden will, und die Privatbank Sal. Oppenheim mit rund fünf Prozent.
Die IKB war wegen ihres milliardenschweren Engagements am US-Hypothekenmarkt im vergangenen Sommer in massive Schieflage geraten. Die gesamte Kreditwirtschaft - also Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Institute - hatte der Düsseldorfer Bank seit Juli mit Garantien von insgesamt gut sechs Milliarden Euro geholfen. Fast fünf Milliarden Euro davon trägt alleine die staatliche KfW. Der BdB schultert bislang über eine halbe Milliarde Euro.
Eine pleite wäre billiger - aber zu peinlich
In den Kreisen hieß es, eine Insolvenz der IKB sei mit weniger Kosten für alle Beteiligten verbunden als die langwierige Rettung des Instituts. Eine Pleite wäre allerdings angesichts der schon getätigten Milliardenhilfen aus politischen Gründen nicht akzeptabel. "Es wäre ein sehr schlechtes Zeichen für die Märkte, wenn eine deutsche Bank pleitegeht", sagten Insider.
Weitere Hilfe der Genossenschaftsbanken und Sparkassen sei auszuschließen, sagten mehrere Personen aber auch. Die beiden Verbände seien allerdings auch noch nicht gefragt worden, sich an einer weiteren Rettungsaktion zu beteiligen. Der öffentlich-rechtliche Sektor hat zurzeit mit der milliardenschweren Sanierung der WestLB genug eigene Probleme.
Um die IKB für den Verkauf attraktiver zu machen, planen die Eigentümer Finanzkreisen zufolge die Trennung der Bank in einen gesunden Mittelstandsbereich und in einen Teil an riskanten Wertpapier-Portfolios, die noch in der Bilanz schlummern. Deren Volumen liegt bei gut sechs Milliarden Euro. Die Hälfte davon gilt als besonders ausfallgefährdet.
ase/Reuters