Krisenkonzern: Arcandor verordnet sich Radikalumbau - DER SPIEGEL
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Krisenkonzern Arcandor verordnet sich Radikalumbau

Arcandor steht vor dem zweiten Neuanfang innerhalb von vier Jahren: Der einstige Handelskonzern setzt jetzt auf Touristik. Quelle-Läden und Nobel-Warenhäuser gehören nicht mehr zum Kerngeschäft, viele Mitarbeiter verlieren wohl ihren Job - und die Firma braucht 900 Millionen Euro.
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Essen - Der Schritt stellt nicht weniger dar, als die endgültige Wandlung vom Handels- zum Touristikkonzern: Arcandor will die Nobelfilialen seiner Kaufhauskette Karstadt sowie die Läden der Versandhandelstochter Quelle zur Disposition stellen. Insgesamt 1500 Quelle-Geschäfte, 115 Quelle Technik-Center, die Nobel-Warenhäuser und acht weitere Karstadt-Filialen gehörten künftig nicht mehr zum Kerngeschäft, teilte das Unternehmen am Montag mit. Als Nobelfilialen gelten vor allem das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München.

Arcandor-Zentrale in Essen: Touristik ist künftig das Kerngeschäft

Arcandor-Zentrale in Essen: Touristik ist künftig das Kerngeschäft

Foto: AP

Die drei Premium-Kaufhäuser sollen künftig ebenso wie die Technik-Center und Quelle-Filialen in einem eigenen Vorstandsressort "weiterentwickelt" werden, wie es hieß. Das Touristikgeschäft Thomas Cook hingegen "ist und bleibt Kerngeschäft von Arcandor".

Künftig wolle sich Arcandor auf die profitablen Bereiche der Versandhandelssparte Primondo und Karstadt konzentrieren. Das Kerngeschäft von Karstadt bestehe künftig aus 81 Karstadt-Filialen sowie 27 Karstadt-Sports-Filialen. Der Konzern wolle in allen drei Geschäftsbereichen positive Ergebnisse erzielen.

Konkrete Angaben zur Zukunft machte Arcandor nicht. Auch die Zahl der betroffenen Mitarbeiter ließ das Unternehmen zunächst offen. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick hatte allerdings am Sonntag in einem Zeitungsinterview einen Stellenabbau bei den insgesamt 52.000 Beschäftigten von Karstadt und Quelle nicht ausgeschlossen.

In der Handelssparte werde Arcandor künftig die Beschaffung und die Sortimentsgestaltung trennen. Die Beschaffung soll zentral in einem neu zu schaffenden Vorstandsressort gebündelt und die bisherigen Kapazitäten von Karstadt und Primondo zusammengefasst werden. Ziel sei es, über die Neuorganisation der Prozesse und die Bündelung der Volumina innerhalb von zwei bis drei Jahren Synergien von bis zu fünf Prozent des Arcandor-Einkaufsvolumens (ohne Thomas Cook) in Höhe von über sieben Milliarden Euro zu erzielen.

Die Maßnahmen seien Teil eines Sanierungsprogramms, für dessen Umsetzung der Konzern zusätzlich zur anstehenden Refinanzierung im Sommer 2009 in den kommenden fünf Jahren mit einem weiteren Finanzierungsbedarf von bis zu 900 Millionen Euro rechne, teilte Arcandor weiter mit.

mik/Dow Jones/dpa/AFP/ddp

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