Krisenkonzern Arcandor weitet Verluste aus
Düsseldorf/London - Der Umbau bei Arcandor hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz: Der Handels- und Touristikkonzern ist im Weihnachtsquartal tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich verbuchte Arcandor laut Zwischenbilanz für den Zeitraum von Oktober bis Dezember 2008 einen Verlust von 58 Millionen Euro. Das Minus fiel damit um 20 Millionen Euro höher aus als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Nach Angabe des Konzerns waren insbesondere Restrukturierungskosten bei der Versandhandelstochter Primondo und der Touristiksparte Thomas Cook der Grund für den Einbruch. Im operativen Geschäft sieht Vorstandschef Thomas Middelhoff dagegen Fortschritte bei der Sanierung. Der bereinigte Umsatz sei leicht um 1,1 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe sich um 18 Prozent auf 180 Millionen Euro erhöht.
Die Handelssparten Quelle und Karstadt hätten sich im Dezember besser entwickelt als der Markt, sagte Middelhoff. Die angeschlagene Warenhaustochter Karstadt habe die Trendumkehr unter schwierigen Bedingungen geschafft.
Die Reisesparte Thomas Cook erlitt dagegen einen Einbruch bei den Urlaubsbuchungen. In Kontinentaleuropa mit dem wichtigsten Markt Deutschland liegen die Buchungen derzeit um 20 Prozent unter den Vorjahreswerten, in Nordeuropa sogar um 24 Prozent, wie die Arcandor-Tochter am Donnerstag in London mitteilte. In Großbritannien fiel der Rückgang mit 11 Prozent geringer aus und entspricht genau der dort reduzierten Kapazität.
Angesichts der Wirtschaftskrise verweigerte Middelhoff für das Geschäftsjahr 2008/09 eine Prognose. Wegen der "fehlenden Visibilität" sei dies "nicht sinnvoll und seriös", sagte der scheidende Konzernchef. Bislang hatte das Unternehmen ein bereinigtes Ebitda der operativen Bereiche von mehr als 1,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.