Krisenkonzern Infineon: Fabrik zu verschenken - DER SPIEGEL
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Krisenkonzern Infineon Fabrik zu verschenken

Belastet von roten Zahlen und einem Korruptionsskandal braucht Infineon eine Erfolgsstory. Daher erwägt der Chiphersteller die Trennung von Krisensparten wie dem Kerngeschäft mit Speicherbausteinen. In einem ersten Schritt könnten die Münchner eine veraltete Fabrik gratis abgeben.
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Hamburg - Wenn Konzerne ihre Unternehmensteile verschenken, muss es schon ziemlich schlimm stehen. Siemens   hat es so gemacht mit seiner maladen Handy-Sparte. Die übergaben die Münchener an den taiwanesischen Konkurrenten BenQ.

Bezeichnenderweise könnte nun eine ehemalige Siemens-Tochter ähnliche Fluchtwege gehen. Der Chiphersteller Infineon   will laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sein Werk in München-Neuperlach abgeben - möglichst schnell und umsonst. Abnehmer soll der Konkurrent X-Fab Semiconductor sein. Dem werde das "Geschäft" überdies mit der Zuzahlung eines "hohen zweistelligen Millionenbetrag" schmackhaft gemacht, heißt es. Infineon bestätigt lediglich Verhandlungen mit X-Fab.

Unternehmenskreise erklärten gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass ein solcher Deal möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich ist. Tatsächlich könnte es sich aber für Infineon rechnen. Die Produktionsanlagen in der Neuperlacher Chipfabrik gelten als veraltet. Dort wird noch auf Siliziumscheiben, sogenannte Wafer, mit einem Durchmesser von 150 Millimetern produziert. Standard sind aber inzwischen 200 Millimeter, was eine weitaus höhere Ausbeute und damit deutlich mehr Rendite bringt. Die Produktion soll von München nach Regensburg und Villach verlagert werden.

Neuperlach mit rund 800 Mitarbeitern dagegen soll 2007 geschlossen werden. Dann kämen allerdings wütende Arbeitnehmerproteste und vor allem hohe Restrukturierungskosten auf den Konzern zu. Die Beschäftigten drohen schon jetzt mit Streik, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten.

DRAM steht zur Disposition

Entsprechend goutieren Beobachter die Schenkungsidee. "Wenn sich das rechnet, kann der Plan für Infineon sinnvoll sein", sagt Theo Kitz, Technologie-Analyst beim Bankhaus Merck Finck. Was ihm allerdings Sorgen macht, ist die Höhe der Dreingabe. "Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag ist entschieden zu viel", warnt der Branchenbeobachter.

Nicht nur Neuperlach steht zur Disposition. Auch die Speichersparte von Infineon scheint keinen Platz mehr im Unternehmen zu haben. Der Bereich erwirtschaftet nach Konzernangaben 40 Prozent der Umsätze und ist damit das Kerngeschäft der Münchener. Wirklich Freude haben die Chips den Verantwortlichen allerdings nie bereitet. Das Geschäft ist geprägt von starken Schwankungen und wilden Preisschlachten. Immer wieder überziehen sich die Konkurrenten mit Kartell- und Patentklagen. Ein höchst unangenehmes Geschäftsumfeld.

Entsprechend hat Infineon schon bei der Abspaltung von Siemens und beim anschließenden Börsengang vor sechs Jahren erklärt, die Abhängigkeit von dem turbulenten Markt verringern zu wollen. Jüngst wurde in der Presse über die komplette Trennung spekuliert. Sollte sich ein Partner oder Käufer finden, würde der Konzern seinen Kernbereich sofort abgeben, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise Anfang der Woche. Auch über die Abspaltung via IPO wurde zuletzt berichtet. Infineon selbst wiegelt ab. Man werde im Herbst strategische Überlegungen vornehmen, erklärt ein Sprecher.

Notwendiger Befreiungsschlag

Die Trennung wäre für Infineon ein notwendiger Befreiungsschlag. Zuletzt jedenfalls hat der Dax-Konzern vornehmlich negative Schlagzeilen gemacht. Das Minus vor Steuern und Zinsen verdoppelte sich im dritten Quartal des Geschäftsjahres im Vergleich zum Vorquartal auf 234 Millionen Euro. Im Zeitraum zwischen April und Juni war Infineon das einzige Dax-Unternehmen, das seinen Verlust vergrößerte. Zusätzlich werden die Münchener von einem Schmiergeldskandal heimgesucht. Mit dem Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz ist deswegen bereits ein Top-Manager zurückgetreten.

Technologie-Analyst Kitz warnt beim Verkauf der Chip-Sektion dennoch vor übertriebener Eile: "Das Timing wäre schlecht, weil der DRAM-Markt derzeit im Abschwung steckt. Ein optimaler Preis lässt sich so nicht erzielen."

Ohne den DRAM-Bereich freilich wäre Infineon ein anderes Unternehmen. Übrig blieben Systemlösungen für die Automobil- und Industrieelektronik, die dann Zweidrittel der Umsätze ausmachen würden. Der Bereich Kommunikationschips würde das verbleibende Drittel stellen. Beobachter sehen in der Gesundschrumpfung eine Chance. "Das Unternehmen wäre zwar kleiner, das Geschäft dann aber wesentlich stabiler", sagt Kitz.